Wie du dir deinen eigenen Presse-Verteiler aufbaust

Hast du auch schon mal überlegt, dir hunderte oder gar tausende Adressen von Journalisten zu kaufen, damit deine Pressemitteilung möglichst viele erreicht? Mein Rat: Lass die Finger davon. Hier sage ich dir, wie du dir deinen eigenen Presse-Verteiler aufbaust, der dir viel mehr bringt.

 
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Damit eines mal klar ist: Ich bin ja sowas von gegen Massen-Presseverteiler!

Damit meine ich große, kostenpflichtige Adresslisten, bei denen dir vorgegaukelt wird: „Hey, mit dieser Liste erreichst du 500/1000/1500 Journalisten, du wirst ´ne Wahnsinns-Reichweite haben, ist das nicht großartig?“

Nee, ist es nicht.

Weil die 500/1000/1500 Journalisten auf diesen Adresslisten nämlich nicht nur von dir Post bekommen, sondern von hunderten anderen auch (die ebenfalls alle dafür bezahlt haben). Sie erhalten Pressemitteilungen, die oft rein gar nichts mit dem zu tun haben, was sie suchen. Und sie sind schlicht und einfach: genervt.

Deshalb endet eine Aussendung über derartige Verteiler leider viel zu oft so, als würde man in einen leeren Raum hineinrufen: Es kommt rein gar nichts zurück.

Gibt es eine Alternative? Ja, gibt es: Bau dir deinen eigenen Presse-Verteiler auf. Das ist kostenlos und deutlich präziser: Mit ein wenig Eigenrecherche kannst du genau die Journalisten heraussuchen, die auch wirklich an dem interessiert sind, was du zu bieten hast. So kannst du deine Pressemitteilung, Einladung oder was auch immer du versenden willst, an eine kleinere Gruppe von Redakteuren schicken – dafür aber an die Richtigen.

Ein Verteiler ist auch nützlich, wenn du „Newsjacking“ betreiben willst: Dabei bietest du dich als Experte auf deinem Gebiet zu einem aktuellen Geschehnis an – etwa als jemand, der kommentiert, einschätzt, eine Meinung abgibt (in diesem Text findest du ein paar Tipps, wie das geht).

Oder du nimmst ein News-Ereignis zum Anlass, eine eigene, verwandte „Story“ anzubieten. Auch dann brauchst du schnell die richtigen Kontaktdaten – hast du dir vorsorglich eine Liste angelegt, bist du fein raus.

So solltest du dabei vorgehen, wenn du deinen eigenen Presse-Verteiler aufbauen willst:

1.    Überlege dir, welche Art von Journalisten du erreichen willst

Stell dir mal vor, du bist Tischler, und du bekommst andauernd Post von einer Firma, die dir unbedingt eine Versicherung für Bauarbeiter verkaufen will. Wahrscheinlich würdest du dich irgendwann ärgern: Warum schnallen die nicht, dass ich Tischler bin und kein Bauarbeiter??

Genau so geht es Wissenschaftsjournalisten, die Pressemitteilungen für eine Museums-Eröffnung erhalten. Oder Psychologie-Redakteurinnen, die eine Liste der schönsten Inseln Mittelamerikas auf den Tisch bekommen.

Überlege dir also gut, in welches Themengebiet das passt, was du anbieten möchtest (Hier findest du ein paar Ideen, was das sein könnte, wenn du Coach oder Berater bist, und hier gibt’s Ideen, wenn du auf ein Produkt aufmerksam machen möchtest).

Frage dich zum Beispiel: Geht es um ein Gesundheitsthema? Passt es eher ins Ressort Wirtschaft? Könnte es was für die Rubrik „Leben & Lieben“ sein? Dafür ist zwingend der nächste Schritt notwendig:

2.    Schau dir jede Publikation etwas genauer an

Kauf dir ein, zwei oder auch drei Ausgaben der Publikationen, die für dich interessant sind. Online kannst du dir mittlerweile von so gut wie jedem Magazin und jeder Zeitung ein ePaper holen (z.B. auf www.united-kiosk.de).

Schon im Inhaltsverzeichnis wirst du sehen, dass sich jede Publikation in "Ressorts" unterteilt, also verschiedene Themengebiete, für die jeweils ein oder mehrere Redakteure zuständig sind. Typische Ressorts einer Lokalzeitung sind etwa Politik, Wirtschaft, Lokales, Kultur oder Sport.

In welches dieser Ressorts passt dein Thema am ehesten? Das ist die Frage, die du für jede Publikation beantworten solltest.

3.    Finde heraus, wer dein Thema betreut

Jetzt solltest du denjenigen finden, der das Ressort betreut, das für dich interessant ist. Du hast zwei Möglichkeiten:

1)    Schau ins Impressum – dort sind meist die Ressorts mit den zuständigen Redakteuren aufgelistet.

2)    Ruf kurz in der Redaktion an und frage bei der Redaktionsassistenz nach: Wer betreut das für dich interessante Ressort? Assistentinnen sind solche Anrufe gewohnt, du musst dir also keinen großen Kopf machen, ob du störst. Solange du dich kurz hältst, wird sie nicht genervt reagieren.

4.    Finde die E-Mail-Adresse heraus

Manchmal stehen auch die E-Mail-Adressen der Redakteure im Impressum – gerade aber bei Print-Redaktionen ist das eher nicht der Fall. Dann hilft dir das kostenlose Portal www.hunter.io weiter. Dort kannst du simpel und schnell herausfinden, wie sich in dem Verlag, zu dem „deine“ Publikation gehört, die E-Mail-Adressen zusammensetzen. Dann musst du einfach nur noch den Vornamen und Nachnamen des Redakteurs oder der Journalistin einsetzen, für die du dich interessierst – schon kennst du die E-Mail-Adresse.

Du hast jetzt also die ersten Kontaktdaten, die du in eine entsprechende Liste eintragen solltest.

Um dir Arbeit zu sparen, habe ich eine Vorlage für einen solchen Presse-Verteiler vorbereitet, die am Computer ausfüllbar ist. Hier kannst du sie dir holen:

 
 

5.    Recherchiere, wer häufig über dein Themengebiet berichtet

Es lohnt sich, Google Alerts einzurichten (hier habe ich aufgeschrieben, wie das geht). Damit wirst du immer benachrichtigt, sobald zu den von dir angegebenen Schlagworten ein News-Artikel erscheint. Damit bist du zumindest für Online-Publikationen immer auf dem neuesten Stand: Was wird zum Thema veröffentlicht? Wer schreibt regelmäßig über dein Themengebiet?

Fallen dir dabei Journalisten auf, so kannst du auch diese in deine Verteilerliste aufnehmen.

Das Gleiche kannst du natürlich machen, wenn du regelmäßig eine bestimmte Publikation liest und dir dabei ein bestimmter Name immer wieder auffällt.

6.    Suche nach freien Journalisten

Vergiss auch die freien Journalisten nicht! Sie erhalten deutlich weniger Post als feste Redakteure – und sind darauf angewiesen, gute Themenvorschläge zu machen. Manche haben sich spezialisiert: etwa auf Themen wie Karriere, Gesundheit oder Mittelstands-Firmen.

Um sie zu finden, kann die Seite des Berufsverbandes freier Journalisten helfen: www.freischreiber.de. Dort kannst du in einer Suchmaske Themengebiete eingeben, die dich interessieren – und dir werden passende Journalisten angezeigt, die sich mit genau diesen Themen beschäftigen.

Auch sie kannst du in deinen persönlichen Verteiler aufnehmen

Nach und nach wird dein Verteiler somit wachsen. Achtung: Du solltest ihn regelmäßig überprüfen! Redakteure wechseln, gehen in Elternzeit oder werden befördert – dann kann der Kontakt schnell „veraltet“ sein. Wenn du also alles richtig machen willst, solltest du deinen Verteiler ein Mal im Jahr updaten.

Ach, und noch was: Ja, das alles ist Arbeit.

Wenn du da was gegen hast, dann solltest du vermutlich

a)    Geld in eine PR-Agentur investieren (teuer)
b)    Geld in Anzeigen investieren (noch viel teurer)

Vielleicht überlegst du also noch mal und kommst irgendwann zu der Schlussfolgerung: Was umsonst ist, kann ruhig ein bisschen Mühe machen. Oder?

Also: Hier schnell die Vorlage für deinen Verteiler holen – und loslegen. Du kannst ihn ausdrucken oder direkt am Bildschirm ausfüllen und abspeichern.