So bekommst du Presse! Teil 2: Für dein Produkt

Du hast geackert, gemacht und getan. Endlich ist dein neues Produkt auf dem Markt, endlich wartet die Dienstleistung auf Kunden. Und jetzt? Wie schaffst du es nur, dass andere davon erfahren? Zuerst einmal solltest du dir diese fünf elementaren Fragen stellen.

1. FRAGE: WAS IST DAS UNGEWÖHNLICHSTE AN MEINEM PRODUKT?

Ich predige immer wieder: Rede weniger über dein Produkt und mehr über dich selbst! ABER: Wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung ganz neu auf dem Markt sind (und auch wirklich etwas Neues darstellen), dann kann man das schon mal machen, das mit dem Über-sein-Produkt-Reden.

Erneutes ABER: Mach bitte nicht den „Hallo, da sind wir“-Fehler, indem du eine hübsche Pressemitteilung verschickst, in der du einfach nur dein Projekt anpreist und alle Features nennst. Fokussiere dich bitte, bitte auf das, was wirklich (wirklich!) neu/anders/schräg/schockierend/ungewöhnlich/noch nie dagewesen ist.

  • Du beschäftigst aus Prinzip nur alleinerziehende Mütter in deinem kleinen Unternehmen?
  • Du verwendest einen sehr ungewöhnlichen Rohstoff?
  • Die Einzelbestandteile deines Produkts kommen aus 13 verschiedenen Ländern – und du hast dir alle Produktionsstätten persönlich angesehen?

Das alles könnten Dinge sein, die Journalisten interessieren. Zumindest heben sich sich ab von Pressemitteilungen á la „Supertolles Produkt, großartige Dienstleistung, re-vo-lu-tio-nä-res Design!“

Wichtig: Das, was da so besonders ist an deinem Produkt, gehört gleich an den Anfang deiner E-Mail oder deiner Pressemitteilung! Hier habe ich etwas ausführlicher darüber geschrieben.


2. FRAGE: WELCHE PUBLIKATIONEN HABEN PRODUKTSEITEN?

Wenn du die Medien kennst, die für dich besonders interessant sind, dann sind dir vermutlich auch Produktseiten aufgefallen. Sie heißen beispielsweise „Entdeckung der Woche“ oder „Lieblings-Fundstücke“ und bestehen meist aus vielen kleinen Texten mit Bildern von den jeweiligen Produkten, oft auf einer Doppelseite.

Es auf diese Seiten zu schaffen, das gelingt am ehesten Produkten, die der Redaktion tatsächlich vorliegen. Das heißt: Ja, du solltest dein Produkt zur Ansicht rausschicken.

ABER (Ja, ich weiß, das wird langsam zu meinem Lieblingswort...): Versende es nur

  • an Magazine oder Online-Seiten, die Produkte aus genau deinem Bereich vorstellen
  • an genau die Redakteure, die die Produktseiten verantworten
  • zu einem passenden Zeitpunkt (ein innovatives Reise-Utensil beispielsweise muss man nicht im August verschicken, da planen nämlich alle Magazine schon die November- und Dezember-Ausgabe – und in den Monaten stehen nicht unbedingt Reisethemen auf dem Zettel der Redakteure)

Dein Produkt blind an alle möglichen Publikationen zu schicken halte ich dagegen für keine gute Strategie. Denn: In den Redaktionen stapelt sich unverlangt Eingesandtes – und wird manchmal sogar für einen guten Zweck versteigert!

Mit dieser Herangehensweise gibst du also unnütz Geld aus und erreichst wenig.

Beschränke dich lieber auf genau die Publikationen, mit denen du dein Zielpublikum erreichst – und die auch wirklich über Produkte schreiben.

Diese finanzielle Investition – das Versenden einiger Produkte an ausgewählte Redaktionen – ist so ziemlich die Einzige, die bei selbstgemachter PR anfallen wird. Versprochen.


Bevor es weitergeht, habe ich noch ein Geschenk für dich: alle drei Teile der Serie "So bekommst du Presse" im praktischen Überblick!

Teil 1: So bekommst du Presse als Coach oder Berater
Teil 2: So bekommst du Presse für dein Produkt
Teil 3: So bekommst du Presse für dein Event

Hier kannst du dir die Infografik kostenlos herunterladen:


3. FRAGE: WELCHES THEMENGEBIET HÄNGT MIT MEINEM PRODUKT ZUSAMMEN?

So, und jetzt komme ich zu meinem Herzens-Anliegen: Fokussiere dich besser nicht auf dein Produkt oder deine Dienstleistung – sie sind wahrscheinlich nicht so bahnbrechend und revolutionär, wie du es gern verkaufst.

Klar, du hast eine Nische besetzt und bist mit irgendeinem Detail ganz sicher der Erste und Einzige. Aber wenn es da draußen schon 73 Lieferdienste gibt – wen kümmert es, dass dein Lieferdienst ausschließlich veganes Essen bis zur Haustür bringt? Bei all den neuen Vegetarier- und Veganer-Angeboten im Lande wirst du es wahrscheinlich schwer haben, Redakteuren mehr als ein müdes Lächeln zu entringen.

Bedenke: Höchstwahrscheinlich landen täglich mehrere Pressemitteilungen auf ihrem Schreibtisch, die sich an genau die gleiche Zielgruppe richten.

Frage dich deshalb lieber: Welche Themen hängen mit meinem Produkt oder meiner Dienstleistung zusammen? Nimm ruhig mal Zettel und Stift zur Hand und schreibe alles auf, was dir so einfällt.

Im Fall des veganen Lieferdienstes könnte das zum Beispiel sein:

  • Diskussion um vegane Ernährung  
  • Trend zum Liefern-Lassen
  • Tierschutz
  • Immer mehr Menschen achten sehr auf ihre Work-Life Balance (haben weniger Zeit, selber zu kochen, wollen sich aber trotzdem gesund ernähren)
     

4. FRAGE: WAS HABE ICH ZU DIESEM THEMA ZU SAGEN, WOVON KANN ICH ERZÄHLEN?

Hast du diese Übung gemacht, so ist der nächste Schritt: Welche konkreten Ideen für Themen kommen dir zu diesen Bereichen? Was aus deinem eigenen Leben kannst du beitragen?

Denn Texte, die gelesen werden sollen, handeln vor allem von Menschen, von ihren Erfahrungen, ihren Meinungen, ihren Geschichten. Deshalb solltest du dich für den Anfang auf dich beschränken, auf das, was du zu erzählen hast.

Denke dabei ruhig in Überschriften und frage dich: Welchen Text würde ich lesen wollen? Und welchen würden meine potentiellen Kunden vermutlich anklicken?

Am ehesten wohl einen Text, der mit ihrem Leben oder ihren Träumen zu tun hat, damit, was sie wütend, traurig oder glücklich macht.

Keine Sorge: Du wirst schon noch Gelegenheit haben, dein Produkt zu erwähnen – wenn du erst einmal interviewt wirst. Vorerst aber muss es darum gehen, dass der Journalist dich überhaupt interessant findet. Und das könnte mit Überschriften wie diesen funktionieren:

  • Warum ich Veganer bin, auf Parties aber nie davon erzähle
  • Ich lasse mir sogar Babynahrung liefern! Warum ich auf Lieferdienste nicht mehr verzichten könnte.
  • Ja, ich habe meinen Kindern Filme über die Massentierhaltung gezeigt – na und?
  • Wie ich mal versuchte, viel zu arbeiten und trotzdem gesund zu leben – und scheiterte.

Du siehst: Es darf ruhig ein bisschen provokativ zugehen.

Du siehst auch: Es geht hier darum, von DIR zu erzählen, Geschichten anzubieten. Denn so kommst du überhaupt erst einmal ins Gespräch – und kannst dann mit einfließen lassen, was du eben einfließen lassen möchtest.
 

5. FRAGE: WELCHE JOURNALISTEN BESCHÄFTIGEN SICH MIT DIESEN THEMEN?

Nun ist es wichtig, deine Ideen den richtigen Journalisten anzubieten. Denn dein Themenvorschlag kann noch so toll sein – wenn er beim falschen Redakteur landet, wird der die E-Mail wahrscheinlich nicht einmal öffnen. Schließlich interessiert sich jemand mit Schwerpunkt „Technik“ schlicht und einfach nicht für Gesundheits-Themen.

Du solltest dich deshalb fragen: Wer schreibt oder berichtet denn überhaupt über „meine“ Themen?

In dem einen Magazin könntest du etwa im Ressort „Wirtschaft“ richtig sein (Lieferdienste), bei einem anderen im Ressort „Gesundheit“ (viel arbeiten, gesund leben). Und dein „Ich habe meinen Kindern Filme über Tierhaltung gezeigt“-Thema solltest du wahrscheinlich an jemanden schicken, der sich mit Familien- oder Gesellschafts-Themen beschäftigt.

Mein Tipp: Schau dir die Publikationen genau an, für die du dich interessierst.

  • Im Impressum findest du die Aufteilung der Ressorts mit Namen der Journalisten
  • Beim regelmäßigen Lesen wird dir auffallen, welcher Name immer wieder unter thematisch ähnlichen Texten steht
  • Ein kurzer Anruf in der Redaktion kann ebenfalls helfen („Wer ist bei Ihnen für Familien-Themen zuständig?“)

Hast du den richtigen Redakteur gefunden, so darfst du dir mal so richtig auf die Schulter klopfen: Ein wichtiger Schritt ist getan!

Denn du hast

  • Ein echtes Thema im Angebot
  • Das richtige Medium gefunden
  • Den richtigen Redakteur ausgemacht

Das ist ein richtig guter Dreiklang, der deine Chancen ungemein erhöht.

Jetzt gilt es, deine Themenidee in eine kurze, knackige Email zu verpacken.

Und klingt das nicht viel besser, als sich an eine lange, schön geschriebene Pressemitteilung setzen zu müssen?

Mein Reden immer.