13 SÄTZE, DIE AUS DEINER GESCHICHTE ECHTES STORYTELLING MACHEN

Geschichten kommen immer gut an – vor allem bei Journalisten. Allerdings müssen sie zwei Kriterien erfüllen: auf den Punkt erzählt sein und in den richtigen Momenten ins Detail gehen. Wie du das schaffst? Hier sind 13 Sätze, die dir dabei helfen – und die deine Geschichte zu einer echten „Story“ machen, die niemand verpassen will.


(Kleine Anmerkung: Natürlich sollst du nicht GENAU DIESE Sätze verwenden. Sie dürfen dir aber als gutes Beispiel dienen.)

1. „Er trat ein, ohne zu klopfen.“

Oder auch: Spar dir die Einleitung.

Denn auch wenn dir dein Deutschlehrer mühevoll das Schreiben ebendieser beigebracht hat: Sie langweilt. Sie nimmt den Drive aus deiner Geschichte. Sie ist unnötig.

Halte es deshalb mit der Regel Nummer eins an allen Journalistenschulen: Steig sofort mit der Handlung ein. Mit einer konkreten Beobachtung. Mit etwas, das Lust auf mehr macht.

In diesem Beispielsatz etwa: Da tritt jemand ein. Wer? Noch wissen wir es nicht. Er klopft nicht. Wäre es eigentlich angebracht gewesen, zu klopfen? Hm. Wir werden neugierig.

Der Einstiegssatz macht deutlich, dass da gleich etwas kommt, dass dies der Beginn einer Szene ist, wahrscheinlich sogar eines Konflikts. Weil er relevante Informationen auslässt, will man dranbleiben. Eine Einleitung hätte diesen Effekt komplett versaut.

Dieses „Sofort-in-eine-Szene-Einsteigen“ kannst du auch anwenden, wenn du von Journalisten interviewt wirst. Meine Güte, was wird der Journalist begeistert sein, wenn du mit einer Erinnerung oder einem konkreten Beispiel auf seine Frage antwortest! Die eignen sich nämlich ganz besonders gut für Text-Einstiege. Und wer weiß, vielleicht belohnt dich der Journalist genau damit: dass du in den ersten Sätzen seines Textes genannt wirst.

MERKE: Geh sofort dahin, wo es spannend ist.
 

2. „Zuerst waren es nur ein paar schlechte Noten – dann aber wurde ich von der Lehrerin meiner Tochter in die Schule bestellt.“

Wer eine Geschichte erzählt, braucht Handlung. Deshalb sind Wörter wie „zuerst“ und „dann“ notwendig. Es muss etwas passieren, und das, was passiert, sollte strukturiert werden. Mit Wörtern, die einen Ablauf ausdrücken, nehmen wir den Leser an die Hand und führen ihn durch die Geschichte hindurch.

Auch ganz nett in diesem Beispiel: Man steckt in den Schuhen des Erzählers. Er weiß noch nicht, was die Lehrerin ihm sagen will, er ahnt nur: Es wird nichts Gutes sein. Diese Unwissenheit teilt der Erzähler mit uns. Wir wollen wissen, was da kommt – und bleiben dran.  

MERKE: Benutze Wörter, die einen Ablauf ausdrücken.
 

3. „Plötzlich hörte ich ein Geräusch“

„Plötzlich“ ist das Geschichtenerzähler-Signalwort schlechthin. Achtung, hier passiert jetzt was! Damit hast du garantiert die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer oder Leser.

Allerdings muss die Handlung auch tatsächlich eine Unterbrechung des Gewohnten bedeuten.

„Plötzlich schaltete die Ampel auf Rot“ ist nur dann sinnig, wenn die Ampel nicht auf Rot hätte schalten sollen.

„Plötzlich fing es an zu regnen“ sollte es nur dann heißen, wenn der Regen nicht vorhersehbar gewesen war.

Es geht darum, Kontrast herzustellen: eben noch war alles wie immer, plötzlich ändert sich das.

Setze das Wort also sparsam ein, um deiner Geschichte an genau der Stelle Tempo zu geben, an der es spannend wird. Denn es signalisiert: Jetzt wird sich Handlung verdichten, wird es Probleme oder Konflikte geben, kommt es zu Umbrüchen und Veränderungen! Das, was du erzählst, sollte also tatsächlich spannend sein.

MERKE: Mit „plötzlich“ kannst du Signale setzen: Hier passiert jetzt was!
 

4. „’Du musst in deinem Leben etwas ändern’, sagte er.“

Gesprochene Worte machen deine Geschichte aktiver, geben ihr Handlung. Aber wenn jemand etwas sagt, dann sollte es auch berichtenswert sein: etwa Meinungen, Aufforderungen, Lob oder Kritik.

Sätze wie dieser dagegen bringen jeden Journalisten zum Gähnen: „‚Das Event war ein voller Erfolg’, sagte Geschäftsführer Peter Müller.“

Noch schlimmer ist nur noch: „’Das Event war ein voller Erfolg’, resümierte Geschäftsführer Peter Müller’“. Wahlweise auch „freute sich“ oder „verkündete“.

Lass die Menschen in deinen Geschichten einfach Dinge sagen. Alles andere klingt gewollt und meist allzu sehr nach PR.

MERKE: Gesprochene Sprache und Dialoge werten deine Geschichte auf.


 
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5. „Wütend schmiss ich die Tür hinter ihm zu.“

Eine gute Geschichte braucht Gefühle. Was machen die Geschehnisse mit dem Helden? Was lösen die Probleme, Konflikte, Widerstände in ihm aus? Du solltest also Emotionen beschreiben – am besten, ohne sie plump zu nennen.

Zwar habe ich im Beispielsatz das Wort „wütend“ benutzt – allerdings nicht nur mit der simplen Feststellung „Ich war wütend“. Ich habe stattdessen etwas beschrieben, das den Leser begreifen lässt: Die Erzählerin ist gerade echt wütend. Durch eine Handlung wird ein Gefühl ausgedrückt. 

So kann man in ausgewählten Momenten seiner Geschichte ins Detail gehen, eine Szene vor dem inneren Auge des Lesers stattfinden lassen. Emotionen sollten dabei beim Leser entstehen, anstatt einfach nur genannt zu werden.

MERKE: Beschreibe Emotionen lieber, statt sie plump zu benennen.
 

6. „Die Spinne hatte acht lange, haarige Beine.“

Wenn du dich nun auf Details besinnst, dann lohnt es sich, gut auszuwählen: Was stach damals besonders hervor? Was erzeugte Emotionen in dir? Was könnte also auch beim Leser etwas auslösen – etwa Mitleid, Freude oder eben Ekel?

Die Spinne zu beschreiben, macht nur dann Sinn, wenn sie im Zentrum einer Handlung steht, wenn also mit dieser Spinne jetzt gleich etwas passieren wird (oder gerade passiert). Dann ruft man mit der sehr ins Detail gehenden Beschreibung wieder das Kopfkino hervor, das Storytelling erzeugen möchte: Der Leser sieht die Spinne im Geiste genau vor sich. Und er wird dabei wahrscheinlich etwas fühlen – vermutlich Abscheu, ein inneres Schütteln.

MERKE: Erzeuge genau dann Kopfkino, wenn es etwas Besonderes zu erzählen gibt.


7. „Ich ging vier Tage nicht aus dem Haus und hockte verheult im Schlafanzug vor dem Fernseher.“

Die Kunst ist es nun, einige Abschnitte der Geschichte als zusammenfassende Handlung zu schildern, um so mehr Tempo hineinzubringen – dabei aber auch wieder konkret zu sein. Viele machen den Fehler – auch in Interviews mit Journalisten – Dinge unkonkret zu umschreiben. Etwa mit einem Satz wie diesem: „Es war eine schwere Zeit“.

Höre ich das von einem Interviewpartner, so hake ich sofort nach: „Was genau ist denn passiert? Wie ging es Ihnen damals und wie hat sich das konkret ausgedrückt?“

Das Ergebnis kann ein Satz wie der Obige sein.

Durch konkrete Beschreibung kannst du so wieder ein Bild vor dem inneren Auge des Lesers erzeugen ­– ohne ins Detail gehen zu müssen. Ich weiß, dass das vielen schwerfällt. Sobald ich sie auffordere, bildhafte Erinnerungen zu nennen, kommen sie von einer Kleinigkeit zur anderen. Plötzlich wird die Geschichte irre lang, und dann ist es wieder an mir als Journalistin, herauszufiltern, was wirklich spannend ist.

Gute Geschichten halten die Balance: Sie ziehen den Leser in wesentlichen Momenten in die Story hinein und geben ihm eine beschreibende Zusammenfassung, wenn es weniger spannend zugeht. 

MERKE: Fasse Handlung an den richtigen Stellen beispielhaft zusammen.
 

8. „Niemals hätte ich gedacht, dass ich mal Boden schrubben würde.“

Gegensätze sind ein Klassiker: vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan, von der Prostituierten zur Pretty Woman – oder auch vom gefeierten Star zum auf-dem-Boden-der-Tatsachen-Gelandeten.

Geschichten der Wandlung laufen einfach gut. Mit dem Helden sollte etwas passieren, es muss Veränderung geben. Der obige Satz funktioniert auch als Einstieg in eine Geschichte: Er kündigt einen krassen Fall an, macht neugierig auf mehr.

„Niemals“ drückt außerdem eine starke Wertung oder Haltung aus, eine Einordnung am Ende einer Skala, und solche Extreme beleben Geschichten. Deshalb geht es so selten um langweilige, durchschnittliche Menschen in Hollywood-Filmen. Tauchen „Normalos“ auf, dann widerfährt ihnen in der Regel etwas Unvorhergesehenes, oft auch Extremes. Oder sie lehnen sich als „Held von nebenan“ gegen große, mächtige Gegner (multinationale Konzerne, reiche Familien...) auf.

David gegen Goliath – wieder ein sehr beliebter Gegensatz.

MERKE: Arbeite Gegensätze heraus und nenne starke Wertungen.
 

9. „Aber dann kam alles anders.“

„Aber“ ist ein Königswort im Storytelling. Es drückt Gegensatz aus, Veränderung, Umsturz, Widerspruch. Und somit Spannung.

Es kann eingesetzt werden, um unerwartete Charaktereigenschaften oder Handlungen zu beschreiben.

„Er war Sänger in einer Rockband, aber er mochte keine öffentlichen Auftritte.“

„Sie beschlossen zu heiraten. Aber dann fing der Krieg an.“

„Aber dann kam alles anders.“

Dieser letzte Satz ist zugleich eine Hinführung: Im Anschluss muss man nämlich unbedingt erzählen, was denn nun anders kam. Er „teasert“ quasi an, dass es gleich Veränderung geben wird und macht neugierig auf das, was kommt. Er erzeugt Spannung. Er ist ein Klassiker für Geschichtenerzähler.

MERKE: Nutze „Aber“, um Gegensätze und Spannung zu erzeugen.
 

10. „War alles umsonst gewesen?“

Auch mit Fragen lässt sich Spannung erzeugen. Sie sind rhetorisches Mittel und holen den Zuhörer ins Boot: Obige Frage stellt er sich nämlich in dem Moment, wo alles auf eine Katastrophe hinauszulaufen scheint. Sie fasst zusammen („Was bisher geschah war katastrophal“) und leitet über („Gleich erfahren wir, ob es eine Lösung des Problems geben wird“).

So wirkt die Frage wie ein Moment des Innehaltens, Reflektierens. Ähnliche Sätze:

„Was würde ihre Mutter sagen?“

„Sollte er etwa vergessen haben, das Geld in den Tresor zu legen?“

MERKE: Nutze Fragen, um einen Moment des Innehaltens zu erschaffen.
 

11. „In letzter Sekunde erreichte ich den Zug.“

 Die meisten guten Geschichten leben von einem Auftürmen an Problemen, die immer größer werden. Wird der Held es dennoch schaffen? Wir leiden und hoffen und bangen mit ihm, zum Höhepunkt hin sind wir sekundengenau dabei, wie alles auf die Katastrophe hinauszulaufen scheint und DANN... Geht doch noch alles gut.

Dann wird in letzter Sekunde der Zug erreicht.

Ehrlich gesagt, mich nerven diese Szenen in allzu vielen Hollywood-Filmen und –Serien ja schon: Immer dieses Gerenne durch irgendwelche Flughäfen, während die geliebte Person bereits am Gate steht. Und das nur deshalb, weil dem Helden erst jetzt – in letzter Sekunde eben – aufgegangen ist: Die will ich, und keine andere.

Aber gut, auflisten musste ich solch eine Szene hier trotzdem. Weil sie einfach zum klassischen Repertoire dazugehört. Weil sie ein typisches Element erfolgreicher „Stories“ enthält: den Wendepunkt.

MERKE: Schaffe einen Wendepunkt, auf den alles zuläuft – und der die Erlösung bringt.
 

12. „In dem Moment wusste ich: Ich wollte nie wieder durch diese Tür kommen, an diesem Schreibtisch sitzen.“

Erkenntnis ist auch eine Form von Wandlung – und funktioniert im Storytelling immer. Achte mal darauf, wie viele Magazin-Beiträge mit einer Art von Erkenntnis enden! Dabei wird immer so etwas wie ein „Endpunkt“ suggeriert: Früher war ich unwissend, heute bin ich erleuchtet. Ich habe gelernt. Ich bin gereift. Ich bin „fertig“.

Journalisten lieben das.

Für die besten Storyteller ist ihre Geschichte der Anlass, eine Aussage zu treffen. Sie wollen eine "Message" rüberbringen, und als Vehikel nutzen sie eine Anekdote, etwas selbst Erlebtes. Niemals würden sie "einfach nur so" eine Geschichte erzählen. Statt dessen wählen sie genau die aus, die zu einer Botschaft hinführt. Die für etwas steht.

MERKE: Kannst du von einer Erkenntnis berichten, dann tu genau das.
 

13. „Seither habe ich keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken.“

Schlussfolgern, den Bogen schließen – das braucht jede Geschichte. Zusammenfassungen wie diese setzen einen Endpunkt. Auch sie sind eine Art Schlussfolgerung, ein „was ich daraus gelernt habe“.

Die Moral’ von der Geschicht’ interessiert den Leser – sie gehört als Abrundung einfach dazu. Schließlich soll sich das Mitleiden und Mitfiebern doch gelohnt haben! Wir wollen am Ende wissen, wo der Held steht, und was seine Erfahrungen mit ihm gemacht haben.

Wir wünschen uns, schlicht und ergreifend: Ein dauerhaftes Happy End.

MERKE: Was hat sich verändert? Erzähle davon und runde die Geschichte damit ab. 

 

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