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Was Journalisten sagen – und was sie wirklich meinen

 

Immer diese Journalisten! Da sagen sie nun, das Thema sei „interessant“ – und dann hört man nie wieder von ihnen. Was meinen Redakteure wirklich, wenn sie sich auf einen Vorschlag zurückmelden? Und was kannst du dann tun? Eine kleine Übersetzungshilfe.

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Der Journalist sagt: „Vielen Dank, wir melden uns bei Bedarf.“

Der Journalist meint: „Wer weiß, ob ich das irgendwann noch mal gebrauchen kann. Ist jetzt nicht der Burner, aber aufheben kann man’s ja mal.“

Was wahrscheinlich ist: Du wirst zu diesem Thema nie wieder vom Journalisten hören – weil deine Mail in irgendeinem Ordner landet, in den er nie wieder reinguckt (oder nur in größten Notfällen, und dann ist deine Mail eine von vielen).

Was du tun kannst: Bei Gelegenheit ein anderes Thema vorschlagen, das besser zur Publikation passt.

 

Der Journalist sagt: „Vielen Dank, das habe ich an die zuständige Kollegin weitergeleitet.“

Der Journalist meint: „So, das hab ich vom Tisch. Soll XY sich doch kümmern.“

Was wahrscheinlich ist: Die Mail wurde weitergeleitet. Das bedeutet leider keinesfalls, dass du bald von der Kollegin hören wirst.

Was du tun kannst: Bei der Kollegin nachhaken und dich in Erinnerung bringen.

 

Der Journalist sagt: „ Das klingt super interessant, das nehme ich mit in die Redaktionskonferenz!“

Der Journalist meint: „Nicht schlecht, mal sehen, was der Chef sagt.“

Was wahrscheinlich ist: Alles ist möglich:

a) dass der Chef das Thema abschmettert
b) dass er es ok findet, aber einen anderen „Dreh“ wünscht (zu dem du nicht mehr passt)
c) dass er es abnickt

Sollte das Thema abgeschmettert werden, kann es sein, dass du nicht mehr vom Redakteur hörst – weil er zu viel anderes auf dem Schirm hat und nicht die Zeit findet, dir (und den vielen anderen Mail-Verfassern in seinem Posteingang) Rückmeldung zu geben.

Was du tun kannst: Warten und nach ca. einer Woche noch mal nachhaken, falls du nichts mehr vom Redakteur hörst.

 

Der Journalist sagt: „Das könnte was für den Sommer sein, wir melden uns, wenn wir die entsprechende Ausgabe planen!“

Der Journalist denkt: „Ganz ok, mal schauen, ob es passt.“

Was wahrscheinlich ist: Falls er sich bei der Planung der Sommerausgabe noch daran erinnert und das Thema beim Chef durchkommt, wird der Journalist sich melden.

Falls nicht, wirst du nie wieder von ihm hören.

Was du tun kannst: Ihn sofort fragen, wann denn „die entsprechende Ausgabe“ geplant wird – und dann nachhaken, wenn dieser Moment gekommen ist.

 

Der Journalist sagt: „Das passt leider nicht ganz zu unserem Heft.“

Der Journalist meint: „Mann, hat der sich denn NULL mit uns beschäftigt? Das ist doch glasklar, dass wir an sowas kein Interesse haben! Aber egal, was reg ich mich auf, ist ja nicht mein Job, den Leuten zu erklären, wie’s besser geht. Warum fangen DIE nicht mal endlich an, gute PR zu machen, anstatt uns immer nur langweiliges Zeug zu schicken?“

Was wahrscheinlich ist: Du hast einen pflichtbewussten Redakteur erwischt, der sich die Mühe macht, dir zu antworten, OBWOHL das Thema ihn rein gar nicht interessiert. Das ist selten.

Was du tun kannst: nachfragen, was denn besser zum Heft passen würde – welche Art von Geschichten oder Themen.

 

Der Journalist sagt: „Klasse Thema, wir würden Sie gern interviewen!“

Der Journalist meint: genau das, was er sagt.

Was wahrscheinlich ist: Du wirst interviewt werden. Wenn sich die Planung nicht doch noch kurzfristig ändert (kann immer passieren), wird ein Text erscheinen, in dem du vorkommst.

Was du tun kannst: dich vorsichtig freuen. Richtig freuen bitte erst, wenn der Text wirklich erschienen ist.

 

Der Journalist sagt: „Anbei finden Sie das Interview noch einmal zur Ansicht. Bitte melden Sie sich, falls inhaltlich etwas nicht stimmen sollte.“

Der Journalist meint: „Hoffentlich kommen jetzt nicht 1000 Änderungswünsche, dann hab ich noch mehr Arbeit!“

Was wahrscheinlich ist: Du wirst deine Aussagen zusammengefasst und auf den Punkt gebracht vorfinden, denn der Journalist hat ja nur begrenzt Platz. Möglicherweise sind durch das Kürzen Fehler entstanden.

Was du tun kannst: Sachlich auf Fehler hinweisen. Bitte nicht zu detailliert in den Änderungswünschen werden! Keinesfalls ist es deine Aufgabe, das Interview komplett umzuschreiben („damit auch wirklich deutlich wird, was ich meine“). Journalisten müssen sich an viele interne Regeln halten: Die Sprache sollte zum Publikum passen, die Antworten dürfen nicht zu lang ausfallen, der Fokus aufs Thema muss bestehen bleiben.

Und: Redakteure werden nicht dafür bezahlt, deine „Corporate language“ zu übernehmen – sondern verständliche Texte zu schreiben.

Ein Beispiel: Dir mag es wichtig sein, deine Chefin als „Dr. Kristina Müller“ zitiert zu sehen (weil das bei euch im Unternehmen so üblich ist). In den allermeisten Medien ist das Nennen von Titeln aber nicht gängig. In den Tagesthemen sagt ja auch niemand „Dr. Angela Merkel besuchte heute den tschechischen Ministerpräsidenten“ – oder?

 

Der Journalist sagt: „Vielen Dank für Ihren Gastbeitrag. Ich habe ihn noch etwas überarbeitet. Bitte sagen Sie mir, falls inhaltlich etwas nicht stimmen sollte.“

Der Journalist meint: „Da musste ich noch mal ganz schön ran. Hoffentlich meckert der jetzt nicht an allen Änderungen rum.“

Was wahrscheinlich ist: Der Journalist wird gern mit sich reden lassen, wenn du einzelne Fakten korrigieren willst. Er wird eher genervt reagieren, wenn du an konkreten Formulierungen herum“doktorst“. Schließlich kennt er den Ton seiner Publikation besser als du und lässt sich nicht gern in seinem Kernhandwerk herumpfuschen: dem Schreiben.

Was du tun kannst: Fakten sachlich korrigieren, Aussagen richtig stellen, falls das denn not tut. Du solltest allerdings NICHT die Hälfte ändern und überall detaillierte „Verbesserungsvorschläge“ machen (womöglich noch mit ausufernden Erklärungen).

Wenn dein Ton komplett verfälscht wurde, kannst du ein, zwei Beispiele herausgreifen, deine Ansicht belegen – und dann freundlich fragen, ob du noch mal ausführlich „ran darfst“.

Egal, wie sehr du dich in deiner Schreiber-Ehre gekränkt fühlst: Zickereien und Empörtheit („So meinte ich das doch gar nicht!“ – „Das klingt doch gar nicht nach mir!“) bewirken nur eines – dass der Journalist dich unter „anstrengend“ abspeichert (und die Aussicht auf zukünftige Beiträge oder Interviews gen null geht).

Denk immer daran, dass viele Journalisten nonstop an Texten arbeiten, wie am Fließband. Du hast wahrscheinlich viele Stunden an Formulierungen gefeilt – der Journalist hatte möglicherweise nur 30 Minuten.

Da passieren schnell mal kleine Fehler, und natürlich bringt der Journalist in der Eile vor allem den Ton ein, den er gewohnt ist: seinen eigenen.

Professionell damit umzugehen heißt: sachlich bleiben, kurz halten, abwägen. Womit kannst du leben, womit nicht?

Falls der Journalist sich trotz freundlich vorgetragener Änderungswünsche quer stellt und du mit dem Resultat eben NICHT leben kannst, steht es dir frei, den Text zurück zu ziehen.

 

Der Journalist sagt: „Leider mussten wir den Artikel über Sie kurzfristig wieder aus der Planung nehmen. Ich melde mich, wenn wir ihn wieder einplanen.“

Der Journalist meint: „Tja, irgendwas muss ich dem halt sagen.“

Was wahrscheinlich ist: Der Artikel schlummert sanft in einem Ordner oder einem Content Management System als „Sehsatz“ (fertige Text-Vorräte) vor sich hin. Kann sein, dass irgendwann mal jemand auf ihn stößt.

Wahrscheinlicher aber ist, dass er völlig in Vergessenheit gerät.

Was du tun kannst: Nach einer Weile freundlich nachhaken und den Journalisten an den Artikel erinnern.

 

Der Journalist sagt: gar nichts.

Der Journalist meint: „Das ist nix für uns.“ (Wenn er die E-Mail denn überhaupt geöffnet hat.)

Was wahrscheinlich ist: Dein Thema hat einfach nicht gepasst – oder die E-Mail ist erst gar nicht gelesen worden. Sie wurde auch nicht intern weitergeleitet. Und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird nichts gedruckt.

Was du tun kannst: Es mit einem anderen Thema wieder versuchen.

 
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Die Autorin:

Marike Frick ist ausgebildete Journalistin und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Pressearbeit selber machen können. Ihre Texte sind u. a. in DIE ZEIT, Brigitte Woman, Financial Times Deutschland, Spiegel Online und Business Punk erschienen. Sie lebt mit ihrer Familie derzeit in Genf, glaubt an die tägliche Ration Kaffee (Barista-Style) und liebt gut gemachte TV-Serien in Kombination mit dunkler Schokolade und Pinot Noir.