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Erzähl doch mal: Wie Corinna Graf zu einem Auftritt bei RTL kam

 

Sie hat es mit ihren Möbeln und Wohn-Accessoires nicht nur in zahlreiche Wohn-Magazine geschafft – sondern auch RTL auf sich aufmerksam gemacht: Corinna Graf von Grafinteriors erzählt wie ihr das gelungen ist (und warum sie sich an einen meiner Tipps explizit NICHT hält).

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Wow, RTL ist auf dich zugekommen und hat dich in eine Sendung über Gründer eingeladen – wie hast du das denn geschafft?

Sie müssen mich über eine meiner Veröffentlichungen entdeckt haben. Ich bin regelmäßig mit meinen Produkten in Zeitschriften und Online-Magazinen.

Wie war das, als diese Einladung kam?

Ich hab mich natürlich irre gefreut. Da stand erst mal nur, es gebe ein neues Format, ob ich Interesse hätte. Natürlich hab ich sofort geantwortet – und dann etwa zwei Wochen nichts mehr gehört. Klar, das verunsichert. Also hab ich angerufen: Ob denn überhaupt noch Interesse bestehe…? Und es kam sofort zurück: „Auf jeden Fall!“ Man darf sich also nicht verunsichern lassen, wenn’s mal länger dauert bei Journalisten. Ich hab dann erst mal laut gejubelt und sämtliche Freunde per Whatsapp informiert. Die hatten ja alle mitgefiebert.

Was geschah dann, wie waren deine Erfahrungen mit RTL?

Es gab ein telefonisches Interview, außerdem musste ich einen Video-Pitch einreichen. Den habe ich an einem Freitag abgeschickt – und schon am Montag kam der Anruf: „Sie sind definitiv dabei!“

Kurz vor dem Termin hatte ich dann einen ziemlich schlimmen Hexenschuss. Zum Glück war ich zum Dreh wieder einigermaßen fit! Ich durfte in der Sendung in einem 100-Sekunden-Elevator-Pitch mein Produkt „Cuby“ vorstellen, ein Mobelstück fürs Kinderzimmer, mit dem das Aufräumen leichter wird. Außerdem wurde ich in einem kurzen Video porträtiert. Das sind zwei Minuten Sendezeit nur für mich und mein Produkt, auf einem der größten TV-Sender – genial! Ausgestrahlt wird im September.

Du sagst, RTL wurde wegen deiner Veröffentlichungen auf dich aufmerksam. Wie bist du denn an die rangekommen?

Durch eine gemischte Strategie: Ich verschicke E-Mails an einen Verteiler von Redakteuren, den ich mir selbst aufgebaut habe – und ich nutze einen kostenpflichtigen Verteiler namens Pressloft. Die haben sich auf den Themenbereich „Wohnen und Schenken“ spezialisiert.

Meinen eigenen Verteiler habe ich mir nach und nach zusammengestellt, indem ich mir Wohn-Magazine angeschaut und jeweils im Impressum Adressen rausgesucht habe. Diesen Reakteuren schicke ich einmal im Monat eine Pressemitteilung, die saisonal passt –im Herbst etwa über meine Lampen-Kollektion. Mal ist es eine reine Produkt-Beschreibung, mal arbeite ich mit Storytelling – zum Beispiel greife ich im Frühjahr Frühjahrsputz und Aufräumen auf. Oder ich mache zum Thema, dass laut Statistik Aufräumen in Familien das Streit-Thema Nummer eins ist.

Auf Pressloft lade ich immer wieder Fotos von meinen Produkten hoch, die Magazine sich dann runterladen können, und ich verschicke ebenfalls Pressemitteilungen über deren Verteiler.

Was kostet das?

Jeder Pressemitteilungs-Versand kostet 60 Euro, die monatliche Abo-Gebühr liegt bei 190 Euro. Für mich lohnt sich das, denn ich hatte so schon viele Veröffentlichungen in Wohnmagazinen und sogar zwei Wohn-Stories, bei denen die Redakteure mit Fotografen zu mir nach Hause kamen.

Ich rate ja in der Regel von Presseverteilern ab…

Ja, aber im Bereich Wohnen scheinen die Redakteure von sich aus nach interessanten Produkten zu suchen und grasen dann eben auch solche Plattformen ab. Man sollte regelmäßig saisonal passende Fotos hochladen, denn es werden immer die Neuesten ganz oben angezeigt. Relevante Keywords sollten getaggt werden. Das bringt mir tatsächlich mehr Veröffentlichungen als meine eigenen Aussendungen. Außerdem bekomme ich auf Pressloft einen Hinweis, wenn Journalisten sich Bilder herunterladen oder es eine Veröffentlichung gab – das ist natürlich sehr praktisch.

Ist das alles mit viel Zeitaufwand verbunden?

Ich selbst investiere jeden Monat ungefähr einen halben Tag in Pressearbeit, überlege mir Themen und schreibe Pressemitteilungen. Ich mache also gar nicht so viel, dafür kontinuierlich. Meine Assistentin lädt dann die Bilder hoch, das sind auch nur etwa drei Stunden im Monat.

Bringen dir die Veröffentlichungen Kunden?

Natürlich kommen darüber Leute auf meinen Online-Shop. Wenn ich in einem Online-Magazin erscheine, wird ja eigentlich auch immer auf das vorgestellte Produkt verlinkt. Aber für mich ist noch wichtiger, dass ich im Shop aktiv mit den Veröffentlichungen werben kann. „Bekannt aus ‚20 private Wohnträume‘“, dazu das Logo – das wirkt vertrauensbildend. Ich werbe mit den Logos aber nur, wenn mir die Redaktion das genehmigt hat. Ich habe viel mehr Veröffentlichungen, als auf meiner Webseite angezeigt werden!

Wer so erfolgreich Pressearbeit macht, kann bestimmt etwas an andere weitergeben – was ist dein wichtigster Tipp?

Ich habe für mich beschlossen, dass ich keine Zeit oder Energie verschwenden werde, Journalisten hinterher zu telefonieren. Wenn ich was rausschicke, das relevant ist, dann reagieren sie, wenn nicht, dann war’s halt nix.

Hattest du auch mal negative Erfahrungen mit Journalisten?

Nein, ich war eigentlich immer zufrieden. Einmal hat mir eine Wohnzeitschrift sogar erlaubt, den kompletten Text über mich auch auf meiner Seite zu veröffentlichen. Insofern habe ich da schon einiges Entgegenkommen erlebt.

Durftest du Texte vor dem Druck noch mal sehen?

Wenn ein Redakteur eine Wohn-Story über mich geschrieben hat, dann wird die mir natürlich nicht vorab zur Verfügung gestellt. Den Anspruch darf man nicht haben. Das ist, als würde ich RTL die Sendezeit vorschreiben, das steht mir einfach nicht zu. Wenn ich Interviews gegeben habe, wurden mir die aber eigentlich immer noch mal vorgelegt.

 

Zu Corinnas Online-Shop: www.grafinteriors.de

 
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Die Autorin:

Marike Frick ist ausgebildete Journalistin und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Pressearbeit selber machen können. Ihre Texte sind u. a. in DIE ZEIT, Brigitte Woman, Financial Times Deutschland, Spiegel Online und Business Punk erschienen. Sie lebt mit ihrer Familie derzeit in Genf, glaubt an die tägliche Ration Kaffee (Barista-Style) und liebt gut gemachte TV-Serien in Kombination mit dunkler Schokolade und Pinot Noir.