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Warum wir mehr Marketing mit Anstand brauchen – und was ich darunter verstehe

Die Welt braucht mehr Anstand – auch im Marketing. Hier habe ich aufgeschrieben, welche Entwicklungen ich in meiner Branche beobachte und welche Schlussfolgerungen ich für mich gezogen habe.

Es ist Zeit, Position zu beziehen.

Es ist Zeit, Werte hochzuhalten.

Es ist Zeit, darüber nachzudenken, was ich in meinem kleinen Wirkungskreis verändern kann. Wofür ich stehe. Was ich vertrete – und was nicht.

Es ist nur Marketing. Aber mir wird klarer denn je, dass das, was ich tue – und sei es „nur“ Marketing – mit Anstand tun will.

Zugegeben, das Wort „Anstand“ klingt erst mal altmodisch. Total unsexy. Und passt so gar nicht zu vielen Trends im Online-Marketing (möglichst englische Begriffe, möglichst groß und wohl klingend).

Aber dieses altmodische, altehrwürdige deutsche Wort „Anstand“ – es ist genau richtig für das, was ich mit diesem Text rüberbringen will.

Für mich ist schon seit langem klar: Ich möchte hinter allem stehen können, das ich mit meinem Business tue. Ich möchte Schaden von anderen fernhalten. Ich möchte für Unternehmertum stehen, das Gutes in die Welt bringt.

Deshalb schreibe ich hier einiges auf, was mich schon länger umtreibt: mein Plädoyer für Marketing mit Anstand.

Punkt 1:
Hinter welchen Angeboten kann ich stehen?

Neulich veröffentlichte jemand auf LinkedIn einen langen Post und erzählte von einem „Schrott-Coaching“, für das diese Person leider viel Geld auf den Tisch gelegt hatte.

Die Reaktionen darauf waren überwältigend. Unzählige andere kommentierten, weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

  • Coachings, die ein paar Wochen dauerten und 12.000 Euro kosteten –und in denen die Betreuung nur aus ein paar Gruppen-Calls bestand
  • Versprechungen von unmöglich erreichbaren Ergebnissen
  • Antworten von den so genannten „Coaches“ die bei Problemen lapidar lauteten: „Dann hängst du dich halt nicht genug rein“

In meiner Blase gibt es den Begriff „SUHR“ – das steht für „Schnell und hektisch reich werden“. Die „Suhr-Leute“ posten Fotos von Yachten, Helikoptern und First-Class-Flügen, gern in Kombination mit Champagner und/oder jungen Frauen.

Wer öffentlich gegen sie anstinkt und ihre Namen nennt, erhält – so höre ich – Post von ihren Anwälten.

Diese Leute versauen den Ruf der Branche.

Ich selbst folgte eine Weile aus Neugierde einer Coaching-Anbieterin auf Social Media, die sehr hochpreisig unterwegs ist. Bei ihr kosten eine (!!) Handvoll Zoom-Calls plus ein paar Wochen Community schnell mal 20.000 Euro.

Ihre Argumentation: Allein durch diese Geldausgabe machst du den ersten Schritt zum Reichtum, denn sie beweist das richtige Money Mindset. Ergo: Wenn du nicht mal bereit bist, DAS auszugeben, dann wird das nie was mit dem viel-Geld-verdienen. Perfide.

Ab und zu posteten einige ihrer Kundinnen Erfolgsgeschichten in der Facebook-Gruppe. Sie schwärmten davon, wie erfolgreich sie dank der Angebote dieser Dame waren. Als ich mir ein paar dieser Profile näher anschaute, fiel mir auf: Die meisten verkauften ebenfalls das Versprechen, Reichtum zu erlangen – etwa durch das richtige Mindset oder durch den Aufbau eines „Soul business“.

Natürlich ist es easy, hohe Preise zu verlangen, wenn man hohe Umsätze verspricht. Aber wie realistisch sind diese hohen Umsätze für all diejenigen, die NICHT dieses Versprechen liefern können?

Wie soll man 20.000 Euro wieder reinkriegen (und das ist nur das Einstiegs-Angebot!), wenn man eben NICHT Business-Aufbau lehrt, oder Money Mindset? Was kann man ernsthaft nach ein paar Zoom-Calls erreicht haben, das diese Ausgabe rechtfertigen würde?

Fantasie-Preise erwecken erst mal den Eindruck, hier müsste es sich um ein besonders wertvolles Angebot handeln. Aber was steckt wirklich dahinter? Das weiß man leider meist erst nach der Buchung.

Was das alles nicht bedeuten soll: Dass wir unser Wissen möglichst günstig anbieten sollen. Dass niedrige Preise richtig sind.

Ich selbst habe Angebote, die mehrere tausend Euro kosten.

Allerdings bin ich mir der Verantwortung bewusst, den entsprechenden Gegenwert liefern zu müssen.

Für mich gilt: Je enger die Betreuung, desto höher der Preis. Und je größer die Quantensprünge, die man danke dieses Programms macht, desto mehr kann ich verlangen.

So machen wir das:

  • Wir begleiten in unseren höherpreisigen Programmen unsere Kunden bis zu einem Jahr lang
  • Sie haben in diesem Jahr nonstop Zugang zu uns, bekommen Feedback, nehmen an besonderen Workshops und Veranstaltungen teil
  • Wir bauen auch 1:1-Feedback ein (z.B. persönliches Video-Feedback), und zwar immer dann, wenn es besonders wichtig ist

All das darf auch etwas kosten – aber es muss angemessen bleiben.

Punkt 2:
Welche Verkaufs-Arten kann ich vertreten?

Manchmal höre ich von einer neuen Strategie, die so richtig gut funktionieren soll. Wenn ich sie dann aber ausprobiere, merke ich währenddessen: Nääääh, das ist nicht meins.

Hier ein paar Beispiele:

  • Ich habe Schnellbucher-Boni ausprobiert: Wer gebucht hat, noch bevor mein Webinar vorbei war, bekam Zugang zu einem Bonus. Fühlte sich nach zu viel Druck an, hab ich nur ein Mal gemacht.
  • Ich habe Sätze gesagt wie „Jeden Tag, den du mit der Buchung wartest, ist ein Tag, an dem deine Konkurrenz schon den nächsten Schritt geht“. Der Satz entstammte einer Vorlage. Und fühlte sich beim Vortragen einfach nicht nach mir an.
  • Ich habe live im Webinar Testimonials vorgelesen, um Erfolgsgeschichten zu zeigen. Ich kam mir vor wie ein Fischverkäufer oder die Moderatorin eines Shopping-Kanals. Mittlerweile baue ich Erfolgsgeschichten wie nebenbei durch Storytelling in meine Webinare ein. Damit fühle ich mich gut, das ist für mich der Weg, der funktioniert.

Ich finde es legitim, Dinge auszuprobieren. Manchmal merkt man erst hinterher, dass etwas nicht passt. Sich aber überhaupt diese Frage zu stellen: „Wie hat sich das gerade angefühlt?“ – das propagieren die wenigsten.

Viel zu oft heißt es: „Die Strategie musst du genau so machen, folge meinem Erfolgsrezept!“ Rezepte sind super – aber man muss auch variieren dürfen.

Bei meinen Kunden versuche ich deshalb immer wieder rüberzubringen: „So funktioniert das für mich – aber letztlich musst du durch Ausprobieren herausfinden, ob es auch für dich das Richtige ist.“

Für mich zum Beispiel ist ein 1:1-Verkaufsgespräch nicht besonders angenehm. Jedenfalls nicht, wenn ich am Ende des Gesprächs wirklich verkaufen muss und nicht nur nett plaudern darf. Ich trete dann viel zu zurückhaltend auf.

Deshalb habe ich Verkaufs-Gespräche abgeschafft.

Und wenn ich manchmal höre, welche Erfahrungen andere schon in solchen Gesprächen gemacht haben, finde ich das einfach nur gruselig.

 (Anmerkung: Es handelt sich um Hörensagen; nichts davon habe ich selbst erlebt,)

  • Sätze am Telefon wie „Bist du es dir nicht wert, Geld in dich zu investieren?“
  • Druckaufbau nach dem Motto: „Du musst jetzt im Telefonat noch buchen, sonst gilt das Angebot nicht mehr!“
  • Oder sogar Live-Veranstaltungen, bei denen alle im Publikum aufstehen sollten, die sich noch NICHT in diesem Moment und vor Ort für das hochpreisige Programm entschieden hatten. Was für eine Art des modernen „Shamings“ ist das, bitte sehr?

Leider sind es dann oftmals genau diese Anbieter, die dank ihres psychologischen Druck-Aufbaus Millionen-Umsätze machen – und daraufhin angeben können, sie hätten den „Umsatz-Code“ geknackt. Was wiederum neue Interessenten anlockt, die diesen Umsatz-Code zu gern kennenlernen würden.

So entsteht ein Kreislauf, in dem viel Geld die Seiten wechselt – und viel zu viele am Ende mit leeren Händen dastehen.

Punkt 3: Wie möchte ich wahrgenommen werden?

Wer Marketing mit Anstand betreibt, macht sich Gedanken über sich selbst, statt nur Blaupausen zu verwenden.

Denn eine Blaupause kann am Anfang wichtig sein und Orientierung bieten.

Aber sie darf auch hinterfragt werden!

  • Was passt wirklich zu mir?
  • Wie möchte ich rüberkommen?
  • Und ist die Art und Weise, wie ich auftrete, kongruent dazu?

Ich selbst möchte für Qualität stehen. Und das muss ich täglich beweisen!

Es bringt nichts, das Wort „Qualität“ als Marketing-Maßnahme zu verwenden, wenn die Leistung nach dem Kauf nur so mittelmäßig rüberkommt.

Qualität drückt sich für mich darin aus,

  • Exzellente Kurs-Inhalte zu erstellen
  • Teilnehmer richtig gut zu betreuen
  • Darauf zu achten, was den Teilnehmern wirklich Erfolge bringt – und die Programm-Inhalte daraufhin immer wieder zu optimieren

Ja, ich habe mich in den letzten Jahren zunehmend aus der Teilnehmer-Betreuung rausgezogen, um mehr Zeit in meiner „Zone of Genius“ zu verbringen. Aber mir war immer klar, dass ich für adäquaten „Ersatz“ sorgen muss!

Deshalb sind meine Mitarbeiterinnen ausgebildete und erfahrene Journalistinnen, die ihr Handwerkszeug genauso gut beherrschen wie ich. Sie vertreten mich exzellent und geben unseren Teilnehmern Feedback, brainstormen mit ihnen, beantworten ihre Fragen. Außerdem habe ich Programm-Managerinnen an Bord geholt, die jederzeit für unsere Teilnehmer da sind.

Das nur als Beispiel, dass es geht: Man kann auf Wachstum aus sein – ohne dass es zu Lasten der Kunden geht.

Viel zu oft höre ich von Programmen, bei denen im Marketing alles gegeben wird – aber hinterher spiegelt die teuer bezahlte Leistung nicht ansatzweise das wider, was im Marketing versprochen wurde. Diese Leistung besteht dann beispielsweise aus ein paar Videos, ein paar pdfs und Gruppen-Calls mit unfassbar vielen Teilnehmern. Da wird dann schnell klar: Hier war alles darauf angesetzt, skalierbare Produkte zu verkaufen, die möglichst wenig Arbeitsaufwand bedeuten, aber viel Umsatz bringen.

Nicht, dass wir uns missverstehen: Ich finde Skalieren super! Aber die Qualität der Leistung darf darunter nicht leiden.

Aus all diesen Gründen wünsche ich mir mehr Menschen, die hinterfragen, was sich wirklich „richtig“ anfühlt.

Denn mir macht Verkaufen Spaß (wenn ich es nicht im 1:1-Gespräch tun muss, haha)! Marketing kann angenehm sein, wenn die Methoden stimmen – und Versprechen gehalten werden.

Wir brauchen mehr davon – und weniger windige Angebote, bei denen nur die Verpackung gut aussieht.

Marketing mit Anstand eben.


Hast du auch Erfahrungen gemacht, wie ich sie im Text anspreche? Dann erzähle davon in den Kommentaren – das geht übrigens auch anonym.

42 Gedanken zu „Warum wir mehr Marketing mit Anstand brauchen – und was ich darunter verstehe“

  1. Danke für deine Offenheit und Ehrlichkeit. Die Welt braucht mehr von solchem Marketing mit Anstand. Danke dir fürs Ansprechen! <3

  2. Schön auf den Punkt gebracht. Mir gehen diese hochpreisigen Angebote, die am Ende nur oberflächlich sind – und ich hinterher nicht wirklich schlauer bin – echt auf den Keks. Nach 1 1/2 Jahren hab ich jetzt alles probiert und jeder muss seinen Weg finden und durchdringen. Ich will nicht irgendeine Strategie, sondern eine die zu mir passt und mit der ich authentisch wirken kann. Schöner Beitrag. Danke.

  3. Liebe Marike, mit Deinem Artikel hast Du mir aus der Seele gesprochen. Ich bin leider auch auf so ein super teures coaching reingefallen, in dem ich mein sämtliches Erspartes investiert habe.Einerseits hätte ich mich besser über die Person und das coaching informieren müssen-meine Verantwortung. Andererseits werden durch solche Leute sogar Glaubenssätze wie " die Reichen werden durch falsche Versprechungen und Betrug reich" verstärkt. Ich stimme Dir 100% zu und werde zu gegebener Zeit sicher auch an einem Deiner Kurse teilnehmen. Herzliche Grüße Ilona

  4. Oh ja – da gibts so Totschlag Argumente, die nach einem Gespräch ein ganz mieses Gefühl hinterlassen. "Wenn du nicht kaufst, musst du dich doch nicht wundern, wenn deine möglichen Kunden es auch nicht tun. Sie haben deine Haltung und wollen nicht in sich investieren" – Auf: ja, gut und schön, aber ich habe nicht das Geld für diesen Kurs und will mich nicht dafür verschulden – kommt dann sowas wie: Du wirst auch nie das Geld haben, weil du gar nicht bereit dafür bist. Unternehmer tragen Risiken, aber die meidest du und wunderst dich, wenn der Erfolg ausbleibt. Du sendest ständig Misserfolgssignale und die bekommst du dann auch zurück.

    Mal abgesehen davon, dass mich das laute anschreien: Kauf mich, kauf mich auf Social Media auch mächtig nervt.

  5. Liebe Marike,
    Vielen lieben Dank für diesen Artikel, mit dem du mir aus der Seele sprichst! Mich selbst frustrieren diese vielen Angebote, wo traumhafte Umsätze durch magisches Mindset versprochen wird, und man quasi an den Pranger gestellt wird, wenn das Geld für diese Kurse einfach nicht da ist. Oft habe ich dann schon PN‘s bekommen mit Ratenzahlungsangeboten oder dem Tipp, doch einen Kredit aufzunehmen, da das Geld ja innerhalb weniger Wochen wieder Doppelt und dreifach reinkommen würde. Mittlerweile erkenne ich diese dubiosen Angebote und kommentiere noch nicht einmal mehr auf diese Posts. Aber es ärgert mich, dass so viele Coaches immer diese Methoden einsetzen.
    Ich mag Anstand, sehr sogar. Und altmodisch finde ich das überhaupt nicht.

    1. Ich sag meinen Teilnehmern immer: den schnellen Weg zum Erfolg gibt es nicht. Das braucht seine Zeit. Probier aus, verbessere, probier es wieder aus.
      Aber das klingt halt nicht so geil wie "GARANTIERT ist das Geld MEGASCHNELL wieder drin!!"….

  6. Danke! Ich sehe ständig solche Angebote und bin zum Glück noch auf keins reingefallen. Es bestätigt aber meine eigenen Überlegungen.

    Man könnte bei der Kritik noch viel deutlicher werden.
    Gerade so Slogans wie "verdiene endlich, was du wert bist" sind so fiese dirty sales tricks. Das muss doch einfach nicht sein.

    Ich hab mir viele solcher kostenlosen Verkaufsveranstaltungen abgesehen, die laufen alle nach demselben Muster ab und sind durch die Bank komplett überteuert.
    Man kommt sich vor wie bei ner Tupperparty, das reinste Schneeballsystem.

    Nichts davon hat mir bei meinem individuellen Weg der Selbstständigkeit geholfen.

    Danke, dass Du Dich dessen mal angenommen hast. 🙂

    Liebe Grüße,
    Sonja

  7. Ein super Text. Danke Marike.
    Genau das ist mir auch aufgefallen. Es ärgert mich zunehmend.
    Du hast es auf den Punkt gebracht. Und zum Glück gibt es zu jeder Entwicklung im Schlechten auch ein Gegengewicht im Guten. Du beweist es.
    Liebe Grüße
    Franka

  8. Hallo Marike,
    DANKE echt! diese Person auf Facebook hab ich in 2020 auch ein paar Wochen gefolgt und immer wieder mit dem Kopf geschüttelt. Warum soll ich für Persönlichkeitsentwicklung 20.000 € ausgeben? Es ist mein gutes Recht, mich weiterzuentwickeln und dafür muss ich keinen Kredit aufnehmen oder mich in die Miesen treiben. Menschen zu begleiten auf ihrem Weg – von außen drauf zu schauen – damit die Entwicklung für den anderen gut funktioniert ist eine Passion! Es hat für mich etwas mit Haltung zu tun und einer gesunden Einstellung zu meinem Gegenüber. Marketing mit Anstand unterschreibe ich zu 100%. Herzliche Grüße Melanie Kubala

    1. Das freut mich 🙂 Natürlich muss man Coaching nicht nur als Passion betreiben und darf ruhig gutes Geld damit verdienen. Ich leiste mir auch Coaches, und die sind nicht billig. Aber sie leisten auch was für das Geld.

  9. Toller Beitrag, an dem sicherlich viel Wahres dran ist.

    Ich habe schon mehrfach hochpreisig investiert und würde das auch immer wieder tun, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich das Geld tatsächlich wieder reingeholt habe.
    Ich habe am Ende eines Zoom-Calls gebucht und fand das für mich völlig okay, weil ich mich vorab schon erkundigt und mich mit der Thematik, die ich dort buchen wollte, beschäftigt habe.

    Ich habe mich weit aus meiner Komfortzone rausbewegt und Dinge ausprobiert, die mir echt Herzrasen bereitet und Angstschweiß auf die Stirn getrieben habe, als ich sie zum ersten Mal ausprobiert habe.
    Aber das Glück und die Freude, wenn´s so lief, wie mir geraten wurde, war auch gigantisch!

    Scheinbar gehöre ich zu den wenigen Glücklichen, bei denen alles gut lief.

  10. So wichtig und wertvoll, dass solche Botschaften kommuniziert werden.

    Bei mir landen so oft Frauen in den Coachings, mit der Bitte um Hilfe, dass sie nun 5stellig Schulden hätten, und ihr Business trotz solcher Kurse trotzdem nicht läuft. Was sie nun tun sollten ..

    und anstatt mich zu bezahlen – liegt mir manchmal auf den Lippen "sparen & Schulden abzahlen" … DANKE für dich und deine Arbeit, deine Message.

    1. Das klingt richtig heftig… Viele reden ja öffentlich nicht darüber. Deshalb finde ich es spannend, die Reaktionen zu sehen, wenn man es dann doch mal tut.

  11. Ich bin 100% Deiner Meinung! Danke, dass Du es nochmals so wunderbar in Worte gefasst hast 🙂

    In letzter Zeit erlebe ich auch häufig, dass genau „diese“ Coaches auch gerne mit Eigenverantwortung argumentieren, aka wer Unternehmer werden will muss schnell entscheiden und eigenverantwortlich handeln – wer es also macht obwohl er eigentlich das, was ihm massiv suggeriert wurde, gar nicht braucht, ist halt selber schuld. Auch so eine schon verpackte Schuldübertragungsstrategie 🙈
    Und wer schon Unternehmer ist, weiß, dass schnell nicht unbedingt besser ist und dass sich Verantwortung nie sortenrein trennen lässt.

  12. Danke! Ich bin Coach und habe beim Aufbau meines Business Angebote zur technischen Umsetzung eingekauft. Da waren herbe Enttäuschungen dabei. Es wurden Kompetenzen versprochen, die gar nicht da waren und Versprechen gemacht, die absolut verfehlt waren. Ich bin selbst verunsichert in meinen Marketing- Strategien.

  13. Danke für den Beitrag. Marketing mit Anstand, dafür bin ich auch!
    Marketing mit Verstand (von beiden Seiten) möchte ich ergänzen.
    Warum nehmen die einen für ihr Coaching 1200€ und die Nächsten 12.000€. Weil da immer jemand sitzt und nickt. Und bereit ist, das Angebot zum Preis zu zahlen.
    Mein Invest in Coachings im letzten Jahr habe ich erst jetzt wieder raus. Und damit hab ich auch gar nicht vorher gerechnet. Und wenn dann einer vor dir steht und dich drängt, zuzuschlagen, weil es angeblich ganz schnell geht, dann ist das nicht richtig.
    Weil hat derjenige sich mit meinen Finanzen beschäftigt. Ob ich mir das leisten kann, bezahlen will oder überhaupt in der Lage bin, jemals zu erwirtschaften. Nein! Das ist meine Eigenverantwortung. Nicht seine/ihre.
    Ist er deswegen mit seinem Marketing unanständig gewesen. Kann sein!

    Das Wissen, dass ich mir kaufe, muss ich umsetzen und testen, dann optimieren, das braucht Zeit!

    Ich habe mich aus Neugierde mal mit einem kleinen Ticket bei einer der angesprochenen Damen angemeldet, weil ich wissen wollte, wie sie verkauft.
    Und ehrlich gesagt hat mir der Kurs Spaß gemacht, weil ich für mein Invest einiges mitnehmen konnte. Und ich den Schmu mit dem richtigen Moneymindset ausgeklammert habe. Als es dann in den Verkaufswebinaren um die ganz großen Summen ging, trennte sich die Spreu vom Weizen. Zum Teil waren die Versprechen schlichtweg unseriös. Zum anderen Teil wurde klar gesagt, wer keinen finanziellen Spielraum hat, ist hier falsch. Und das war interessant zu beobachten, wie viele dann erst recht wollten! Psychologisch spannend!! Und das ist dann eventuell auch betrügerisch, wenn da nachgegeben wird.

    Ich denke auf jeden Fall weiter darüber nach, vielen Dank für den Anstoß, liebe Grüße

  14. Hallo Mareike, was für ein schöner Post 🙂 Und Anstand ist so ein gutes Wort! Den vermisse ich im Netz auch zunehmend.

    Zufälligerweise beschäftige ich mich auch gerade ziemlich intensiv mit dem Thema.
    Ich nehme gerade an einem Facebook-Event teil, wo mir jemand eine Freundschaftsanfrage gesendet hat. Ganz freudig habe ich eine nette Nachricht zurückgeschrieben, bekam aber keine Antwort mehr. Da hat mich ein ziemlich hässliches Gefühl beschlichen. Ich habe gedacht, die will nur meinen Namen, um den später für Facebook-Werbung zu nutzen …

    Auf der anderen Seite bin ich ja auch als Coach tätig (noch dazu mit hochsensiblen Menschen, die sehr werbeempfindlich sind). Bis jetzt habe ich mich wahnsinnig zurückgehalten, was Werbung angeht, ich hatte immer Angst, zu aufdringlich zu sein. Gestern habe ich mich aber einmal aufgerafft und habe eine Erinnerungsmail geschrieben für Menschen, die zwar etwas in den Warenkorb legen, aber doch nicht kaufen. Dazu musste ich mich richtig überwinden und mir immer wieder klar machen, dass es ganz legitim ist, jemanden freundlich daran zu erinnern, dass er doch eigentlich etwas für sich tun wollte.

    Ich habe verstanden, dass ich da noch Umdenkbedarf habe. Ich habe ja ein gutes, wertvolles Produkt, das dazu beitragen kann, das Leben eines Menschen, der es kauft, zu verändern! Ich muss mich dafür nicht schämen! (Tatsächlich bin ich eigentlich ziemlich stolz auf meine Produkte …)

    Aber wie ich das kommuniziere, ist wichtig. Und ja, ich versuche auch, es mit Anstand zu tun 😉

    Liebe Grüße,
    Monika

  15. Hallo Mareike,
    sehr gut auf den Punkt gebracht! Ich durchlaufe gerade ein Programm, mit dem ich mein Unternehmen online aufstelle, da ich das bisher nicht gemacht habe.

    Ich lerne in meinem Kurs, wie ich die Menschen ansprechen sollte, damit sie mein Produkt kaufen. Den Schmerz finden, die Knöpfchen drücken etc. Und finde das ganz okay, bis zu einem gewissen Punkt. Ich spüre aber auch, dass ich als Anbieterin eine Verantwortung habe, den Leuten nicht irgendwelchen Quatsch zu versprechen, den ich nicht garantieren kann um dann, bei Unzufriedenheit der Kunden, zu sagen: "Tja, selbst schuld. Also, bei mir hat es funktioniert!".

    Das wird es bei mir nicht geben, das finde ich einfach unfein. Aber klar, es gibt immer schwarze Schafe die denken, manche Regeln sind halt nur für die Doofen…

  16. Hallo Mareike,
    toller Post und gerade in dieser Zeit wirklich wichtig. Ich sehe gerade so viele "Coaches" aus dem Boden ploppen, die selbst ihre Themen noch nicht bearbeitet haben und eine Menge Geld für das verlangen, was sie anbieten.
    Nach 30 Jahren Bankvertrieb inkl, 12 Jahren Führung im mittleren Management sehe ich das als Gefahr für die wirklich guten Coaches. Die gehen in dem Meer von Marketingparolen total unter.
    Und was ich noch beobachte, dieses Mangel erzeugenden Posts… das kenne ich aus dem Bankenvertrieb… mach schnell sonst ist alle. Oder, wenn du nicht zahlst, stehst du nicht zu Dir. Gruselig, gerade auch für Menschen, die eh schon am Existenzminimum sind und unbedingt eine Veränderung herbeiführen wollen.
    Nach wirklich langer Zeit im Vermögensberatungsbereich weiß ich, dass die besten Entscheidungen immer die entspanntesten sind. Das habe ich meinen Mitarbeitern und meinen Kunden gesagt. Und wenn der Bauch nicht ja sagt und das in seiner eigenen Geschwindigkeit, dann Finger davon lassen. Egal, was gekauft werden "soll".

    Das schlimmste, was mir bereits schon mehrmals aufgefallen ist; Menschen die ihren Rucksack selbst noch nicht geleert haben, wollen anderen zeigen, wie es geht.

    Nach meinem Burn out habe ich 4 Jahre mit Unterstützung meine seelischen Verletzungen gerade aus meiner Kindheit aufgearbeitet, zusätzliche Ausbildungen gemacht und weiß, was dazu gehört.

    Danke dafür

    Liebe Grüße Daniela

  17. Liebe Marike,
    du hast es auf den Punkt gebracht, DANKE! Ich verfolge die Coaching-Szene seit ca. 1 Jahr und buche mich interessehalber immer mal wieder in verschiedene Angebote ein. Es ist erschreckend, was sich dort tummelt, und was dort abgeht. Daher finde ich den Begriff "Anstand" – ja, unsexy, aber – seeehr passend. Ich habe jedoch auch einige wirklich gute Coachings zu einem angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnis gemacht. Aktuell bin ich in einem 5-stelligen Coaching, das grundsätzlich wirklich sehr gut und professionell ist. Allerdings fühle ich mich mit meinem Business als Einhorn, das nicht in die Herde passt, und die Coaches konzentrieren sich lieber auf die einfachen Themen. Dafür war meine Investition viel zu hoch…, aber ich bleibe mir treu: für mehr materiellen Erfolg werde ich mich auf Social Media nicht verbiegen.

    Du hebst dich sehr angenehm von vielen anderen Angeboten ab, und ich finde dich sehr authentisch und bodenständig. Das fühlt sich gut an.
    Danke noch mal für diesen tollen Beitrag!
    Herzlichst,
    Dagmar

    1. Einhorns haben es manchmal schwer. Wir müssen uns auch in manche mehr reindenken als in andere. Ganz normal – die Arbeit sollte man sich als Anbieter aber machen!

  18. Liebe Marike,
    wunderbar auf den Punkt gebracht! Und "Anstand" ist ein Begriff, der absolut wieder mehr in den heutigen Sprachgebrauch gehört. Viele Grüße Simone

  19. Liebe Marike,
    habe deinen Artikel von der ersten bis zur letzten Zeile gelesen und stimme dir voll zu. Gott sei Dank bin ich mit einem offenbar guten Instinkt gesegnet und noch nie auf diese Marktschreierei hereingefallen. Wer mir nicht klipp und klar sagen kann, was er mir für mein Geld bietet, bekommt es nicht. Heiße Luft wie "werde reich, buche jetzt" etc. haben mich schon immer extrem misstrauisch gemacht. Dazu noch Bilder aus schönen Villen, tollem Schmuck, Helikoptern und einem Leben unter Palmen, lächerlich und nicht mein Lebensziel. Gerade dich habe ich immer als hoch professionell, (achtung, Modewort) authentisch und, ja, anständig erlebt. Ich habe mir vor vielen Jahren mal "Integrität" auf die Fahnen geschrieben. Das ist mir eine wichtige Richtschnur im Leben. Und das wirkt sich auch auf mein Marketing aus. Hoffe ich.
    Liebe Grüße Maria

    1. und wenn ich dann sage: dieses Leben unter Palmen, mit Riesenvilla, Butler und Sonstigem ist nicht mein Lebensziel, gibt es die Antwort: offensichtlich schon, sonst würdest du nicht darauf „so“ „anspringen“.

      1. Hallo Angela,
        ja, das ist auf jeden Fall ein klassischer Konter in diesen Kreisen. Ich verschwende gar keine Zeit mehr mit Diskussionen oder Feedback bei solchen Angeboten. Die Anbieter und Anbieterinnen wissen meist ja auch ganz genau, was sie da tun…

  20. Liebe Marike,
    schon lange folge ich Dir und habe auch das ein oder andere von Dir schon angewandt. Und genau weil ich Deine Art und Deinem Anstand mag, paßt es zu mir.
    Leider habe ich auch so eine Blender-Erfahrung gemacht, obwohl ich schon sehr kritisch bin. Hat aber hierbei nicht gereicht.
    Ich möchte mein Angebot online aufstellen, auch ohne mich zu verbiegen- wo auch immer. Und ich bin zwar beständig, aber auch ganz oft unsicher – auch weil mich so selbstsicheres Auftreten und sog. Erfahrung verunsichert.
    Umso schöner und angenehmer ist es, Menschen wie Dir zu begegnen, die ihre Wertschätzung hochhalten.
    Danke dafür und auch für diesen wieder wunderbaren Artikel.

    Ganz liebe Grüße
    Martina

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Marike Frick

Marike Frick ist ausgebildete Journalistin und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Pressearbeit selber machen können. Ihre Texte sind u. a. in DIE ZEIT, Brigitte Woman, Financial Times Deutschland, Spiegel Online und Business Punk erschienen. Sie lebt mit ihrer Familie derzeit in Genf, glaubt an die tägliche Ration Kaffee (Barista-Style) und liebt gut gemachte TV-Serien in Kombination mit dunkler Schokolade und Rotwein.