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7 Wege, es in die Medien zu schaffen

  • 9 min read

Du würdest gern in einer großen, ausgiebigen Reportage erscheinen? Leider ist das ein eher unrealistisches Ziel. Das macht aber nichts – es gibt ja noch sechs andere Arten, es in Publikationen oder TV- und Radio-Sendungen zu schaffen! Hier meine Ideen für dich:

Inhaltsverzeichnis:

  1. Interview
  2. Report / Feature
  3. Beistell-Interview
  4. Produkttipps & Entdeckungen
  5. Reportage
  6. Tipp-Listen
  7. Nachricht

1. INTERVIEW

Grundlegendes: Fast immer wirst du von einem Journalisten interviewt, wenn über dich oder dein Business berichtet werden soll. Für Print und Online finden die Interviews meist telefonisch statt, bei Veranstaltungen vor Ort. Radio- und Fernsehjournalisten dagegen wollen deine Nase vor dem Mikro haben und werden sich von daher mit dir verabreden. 

Wichtig zu wissen: Im Print- und Onlinejournalismus werden nur manche Interviews auch tatsächlich in Interviewform abgedruckt. Die meisten werden für einen Lauftext verwertet, das heißt, es werden die besten, wichtigsten Zitate ausgewählt – und das können unter Umständen auch mal nur zwei oder drei Sätze sein!  

Fehlannahme: „Das Interview hat 45 Minuten gedauert, da wird bestimmt ein großer Text draus!“

Richtig ist: Die Textlänge steht meist vorher schon fest. Egal, wie spannend und ausführlich das Interview war – der Journalist muss sich an diese Vorgaben halten. Ist nur ein zweispaltiger kleiner Kasten geplant, so kann der Redakteur daran meist nicht rütteln. Ich bin zum Beispiel mal eine halbe Stunde lang befragt worden, und heraus kamen zwei Zeilen über mich! Da greift dann die alte PR-Regel: Bitte keine Eitelkeit. Sich beim Journalisten zu beschweren, bringt leider gar nix. 

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2. REPORT/FEATURE

Grundlegendes: Für einen Report oder ein Feature braucht der Journalist Handlung – es muss etwas passieren. Meist steigt er mit einer lebendigen Szene in den Text ein (der Wendepunkt im Leben eines der Protagonisten, eine wichtige Entscheidung wird getroffen, einem Protagonisten wird irgendetwas plötzlich klar), um dann zu Fakten, Erklärungen und Beschreibungen der Thematik überzuleiten. 

Wichtig zu wissen: Fernsehjournalisten brauchen Bilder, bei denen etwas passiert, Radioredakteure suchen nach hörbaren Eindrücken. Dich einfach nur in deinem Büro zu treffen, kann für ein ruhiges Interview okay sein, aber danach musst du ein wenig Action „liefern“ – den Journalisten also dahin mitnehmen, wo etwas passiert. Das sollte thematisch stimmig sein: Spielen deine Bücher an der Nordsee, dann kann es etwa ein Spaziergang am Deich sein. Verkaufst du wiederverwertbare Kaffeebecher, so wird ein Fernsehjournalist dich dabei filmen wollen, wie du in ein Café gehst und dir mit deinem Becher dort einen Kaffee zum Mitnehmen holst.

Auch für Print-Journalisten sind solche „Szenen“ super – das überrascht viele, die meinen, sie hätten im Interview doch schon alles erzählt. 

Fehlannahme: „Das kann ich Ihnen doch schriftlich geben, oder?“

Richtig ist: Um an szenisches Material zu kommen, muss der Journalist entweder dabei sein, wie etwas passiert oder er möchte, dass du es ihm detailliert erzählst. Das geht nicht, indem du ihm ein paar Zeilen aufschreibst. 

Denke darüber nach, ob es ein aktives Ereignis gibt, das für ihn spannend sein könnte. Noch ein Beispiel: Geht es um das Thema Pflege von Demenzkranken, so will der Journalist Handlung sehen – sprich: Demenzkranke, die gepflegt werden. Lässt er es sich „nur“ erzählen, so kannst du überlegen, welche konkreten Beispiele schwieriger Situationen du schildern kannst, welche Erinnerungen an Erfolgs-Momente. 

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3. BEISTELL-INTERVIEW

Grundlegendes: „Beigestellte“ Interviews sind kurz, knackig und vertiefen einen Aspekt oder spiegeln eine klare Haltung zum Thema eines größeren Textes wider. Sie erscheinen oft am Ende eines solchen Textes in einer Art Kasten. Deshalb nennt man sie „beigestellt“.

Wichtig zu wissen: Ein Journalist wird bei einer Interview-Anfrage nicht unbedingt von sich aussagen, wie die Veröffentlichung konkret geplant ist – ob nun als Frage-Antwort-Text oder als Lauftext. Es lohnt sich, kurz (und freundlich) nachzuhaken. Sagt der Journalist, ein Beistell-Interview sei geplant, so frage ruhig nach, welche Thematik denn der Haupt-Text behandelt. 

Es kann ja sein, dass deine „Rolle“ in dieser Themen-Aufbereitung die des Außenseiters sein soll. Dann kannst du dir überlegen, ob du das möchtest. 

Oder es wird deutlich, dass es um ein kontroverses Thema geht. Du kannst dir nun vorab genau überlegen, welche klare Haltung du als Experte vertreten willst und wie du sie begründen kannst.

Fehlannahme: „Nur ein Beistell-Interview? Dann dauert es ja sicher nicht lang.“

Richtig ist: Auch für ein kleines, zweispaltiges Interview kann ein längeres Gespräch notwendig sein. Journalisten kürzen am Ende alle Aussagen auf das Wichtigste zusammen. Manchmal habe ich Interview-Partner, die am Telefon 40 Minuten lang in vielen Details versinken – und am Ende kann ich den Kern in vier kurzen Fragen und Antworten aufschreiben. 

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4. PRODUKTTIPPS & ENTDECKUNGEN

Grundlegendes: In fast jedem Magazin gibt es ein paar Seiten mit kleinteiligen Texten. Dort findet man oft Empfehlungen für Produkte, die die Zielgruppe interessieren, oder interessante Webseiten. Manchmal tragen diese Rubriken Namen wie „Entdeckungen des Monats“ oder „Lieblingsstücke“.

Wichtig zu wissen: Wichtiger als eine spannende Story ist hier oft, dass das Produkt hübsch anzuschauen ist oder sehr nützlich für die Zielgruppe. Deshalb kann es sich lohnen, sein Produkt zuzuschicken, oder zumindest gutes Fotomaterial zu liefern. Oft wählen Redakteure hier vor allem Produkte aus, die gut aussehen. 

Fehlannahme: „Ich schick’ das einfach an die Redaktion, die werden das schon an den Richtigen weitergeben.“

Richtig ist: Um es auf eine Produkt-Seite zu schaffen, sollte man genau die Person herausfinden, die diese Seiten plant. Das mit dem Weiterleiten funktioniert nämlich oft nicht so gut – kein Wunder, denn Redaktionen bekommen sehr viel PR-Post.

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5. REPORTAGE

Grundlegendes: Reportagen leben davon, dass der Journalist bei etwas dabei gewesen ist. Er beschreibt, was er gesehen und gehört hat, schildert Eindrücke und Szenen. Eine Reportage kann man deshalb nicht schreiben oder senden, wenn man jemanden einfach nur an seinem Arbeitsplatz interviewt oder im Café getroffen hat. 

Wichtig zu wissen: Reportagen sind meist lang, der Journalist braucht also viel Stoff. Das heißt, dass er wahrscheinlich bei mehreren Gelegenheiten bei etwas dabei sein möchte (dann, wenn etwas passiert, das er aufschreiben/aufnehmen/filmen kann). Wirst du für eine Reportage angefragt, dann heißt das: Deine Story wird als spannend genug eingeschätzt. Es heißt aber auch, dass du dich darauf einlassen musst, begleitet und beobachtet zu werden.

Fehlannahme: „Können Sie mal eine Reportage über mein neues Produkt schreiben?“

Richtig ist: Über ein Produkt kann man keine Reportage machen. Nur über die Story dahinter, etwa über die Macher. Oder darüber, wie Menschen dieses Produkt nutzen, was es ihnen bringt, wie es ihnen hilft. Außerdem sind echte Reportagen sehr selten und werden für sehr besondere Themen aufgespart. Deutlich realistischer sind Reports oder Features (siehe oben). 

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6. TIPP-LISTEN

Grundlegendes: Listen boomen vor allem online: „13 Gründe, Köln zu lieben“ – „7 Wege, dein inneres Gleichgewicht zu finden“ und so weiter und so fort. Solche Texte kann man schnell scannen und sich unterhalten lassen. 

Wichtig zu wissen: Tipp-Listen sind eine gute Chance, es mit einem eigenen Text in ein Online-Magazin oder auf einen großen Blog zu schaffen. Sie werden meist gut geklickt, deshalb haben Redakteure ein Interesse daran, viele solcher Listen-Texte „rauszuhauen“. 

Fehlannahme: „Da schreib ich einfach ein paar Tipps auf, das nehmen die bestimmt!“

Richtig ist: Du bist nicht der Erste, der sich mit einem Vorschlag für eine Tipp-Liste an den Redakteur wendet. „7 Trauminseln mit tollen Stränden“ wird kaum jemanden vom Hocker reißen. Dein Vorschlag sollte hervorstechen. Das schaffst du vor allem, wenn die Liste

  • ungewöhnlich ist („13 Dinge, die man unbedingt auf eine Reise an den Polarkreis mitnehmen sollte (und an die kaum einer denkt)“)
  • einen aktuellen Aufhänger hat („7 Gründe, warum Germanys Next Topmodel abgeschafft gehört“)
  • gegen einen Trend oder eine gängige Meinung argumentiert („7 Gründe, warum ich meine Töchter kurze und enge Kleider tragen lasse“)
  • kreativ ist („9 Sätze, die ich als Sexualtherapeut nie wieder hören möchte“)

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7. NACHRICHT

Grundlegendes: Nachrichtenwert hat vor allem das, was einen interessanten, aktuellen Aufhänger hat – etwa, wenn du eine spannende Zahl oder Studie lieferst. Du könntest etwa bestehende spannende Zahlen zu deinem Thema aufbereiten und interessante Schlussfolgerungen ziehen. Eine weitere Möglichkeit: einen Superlativ zu bieten. Du bist der Erste, die Jüngste, das Größte was-auch-immer? Dann ist das – zumindest für Lokal- und Regionalmedien – möglicherweise eine Nachricht wert. 

Wichtig zu wissen: Arbeitest du mit Zahlen, so musst du immer die Quelle nennen, damit der Journalist sie überprüfen kann. Umfragen gelten dann als valide, wenn mindestens 1000 Menschen befragt wurden. 

Fehlannahme: „Ich schreibe die Zahl/den Superlativ irgendwo in die Pressemitteilung rein, dann können die ja entscheiden, ob es spannend genug ist.

Richtig ist: Journalisten scannen oft nur die ersten Zeilen einer Pressemitteilung. Deshalb muss das Interessanteste gleich am Anfang stehen. Hast du also eine interessante Zahl, so richte die gesamte Pressemitteilung darauf aus: Beginne mit ihr und mache sie zum zentralen Grund, überhaupt eine PM zu verfassen. Genau das Gleiche gilt für einen Superlativ. Stehen zu viele Aspekte in einer Pressemitteilung, so fallen die spannende Zahl oder der Superlativ nicht wirklich auf. Konzentriere dich auf einen wichtigen Aspekt in deiner PM – dann kann auch der Journalist ihn nicht übersehen. 

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Marike Frick

Marike Frick ist ausgebildete Journalistin und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Pressearbeit selber machen können. Ihre Texte sind u. a. in DIE ZEIT, Brigitte Woman, Financial Times Deutschland, Spiegel Online und Business Punk erschienen. Sie lebt mit ihrer Familie derzeit in Genf, glaubt an die tägliche Ration Kaffee (Barista-Style) und liebt gut gemachte TV-Serien in Kombination mit dunkler Schokolade und Rotwein.