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9 Dinge, die du unbedingt über Journalisten wissen solltest

  • 8 min read

Du hast ein gutes Thema, schreibst eine Mail an den Journalisten – aber bekommst keine Antwort? Es liegt nicht an dir: Journalisten ticken einfach anders. Erfahre hier, wie du sie auf dich aufmerksam machst.

Journalisten sind Menschen wie Du und ich, klar. Aber sie leben in einer anderen Welt – und wollen dort oft nur ungern gestört werden. Wie verschafft man sich trotzdem Gehör? Welche ungeschriebenen Regeln gelten beim Umgang mit der Presse? Und was solltest du unbedingt über die Arbeitsweise von Redakteuren wissen, um nicht in Fettnäpfchen zu treten? 

Das alles lernst du in diesem Blogpost. Hier kommen 9 Dinge, die du unbedingt über Journalisten wissen solltest.

1. Journalisten haben keine Zeit

Du hast eine E-Mail an einen Journalisten geschrieben und keine Antwort bekommen? 

Keine Sorge, das ist fast schon normal. Denn Journalisten arbeiten praktisch immer unter Zeitdruck. Der Grund: Die Redaktionen der deutschen Zeitungen und Magazine werden aus Spargründen immer kleiner – und der Berg an Arbeit für jeden einzelnen Journalisten dadurch immer größer. 

Ein Journalist kann gar nicht alle E-Mails beantworten, die er bekommt.

Und beim Radio und Fernsehen ist der Zeitdruck oft noch stärker als in Printredaktionen. Denn dort werden viele Berichte tagesaktuell produziert. Die Suche nach Themen und Interview-Partnern muss also noch schneller gehen. 

Deshalb gilt übrigens auch: Wenn ein Radio- oder Fernsehjournalist ein Statement von dir haben will, dann sag bitte nicht: „Da muss ich erstmal drüber schlafen.“ 

Denn tagesaktuell produzierende Redakteure brauchen SCHNELL eine Antwort. 


2. Journalisten lieben klare Meinungen

Journalisten teilen gerne alles in Kategorien ein: in Gut und Böse, in Himmel und Hölle. Grautöne interessieren sie nicht so sehr. 

Sie mögen lieber die Extreme: den kleinen Horrorladen oder die große Love-Story, die “vom-Tellerwäscher-zum-Millionär”-Geschichte.

Auch wenn du das blöd findest: Diese Tatsache wirst du nicht ändern. Denn die Journalisten machen das ja nicht aus einer Laune heraus – sondern weil ihre Leser genau das am liebsten lesen. 

Was heißt für dich? Dass du gegenüber Journalisten immer klar und deutlich eine Meinung vertreten darfst.

Eiere in einem Telefonat oder deiner E-Mail nicht zwischen „Einerseits … andererseits“ herum. Das langweilt die Redakteurin. Zeig lieber eine klare Kante! 

Dann hast du bessere Chancen, dass der Journalist dir auch wirklich zuhört oder sich auf deine Mails zurückmeldet.


3. Journalisten wollen nicht gemeinsame Sache mit dir machen

Journalisten wollen keine Werbung für dich machen. 

Denn für Werbung sind Anzeigen da. Journalismus soll Geschichten erzählen, Skandale aufdecken, Fakten hinterfragen, Entwicklungen beleuchten, Geschehnisse verständlich machen, Leser unterhalten.

Bitte einen Journalisten daher lieber nicht, dir zu helfen oder dir einen Gefallen zu tun – egal, wie toll deine Idee, deine Message, dein Produkt ist. „Könnten Sie mich unterstützen?“ ist immer die falsche Frage. Dich zu unterstützen ist schlicht nicht der Job eines Redakteurs!

Deine Mail sollte daher auch nicht mit „Lieber Kollege, Liebe Kollegin, …“ beginnen, Die meisten Redakteure können sowas gar nicht leiden. Denn du bist nicht ihr „Kollege“ – du bist maximal eine Informationsquelle. 

Journalisten kumpelhaft auf deine Seite ziehen zu wollen – der Schuss geht in der Regel nach hinten los.


4. Im Journalismus werden keine Artikel “platziert

Eine der schlimmsten Anfragen, die du an einen Journalisten stellen kannst, lautet in etwa so: „Können Sie diesen Artikel irgendwo platzieren?“

Denn das Wort „platzieren“ benutzen ausschließlich PR- und Kommunikations-Leute – Journalisten reden so nicht.

Außerdem suggerierst du der Redakteurin mit so einer Anfrage, dass sie käuflich sei: Sie soll dir dabei helfen, Werbung für dich zu machen, indem sie etwas “platziert”. Leitet sie dich in diesem Moment an die Anzeigenabteilung weiter, musst du dich nicht wundern.

Was du stattdessen sagen solltest? Zum Beispiel sowas hier:

  • „Ich möchte Ihnen gerne ein Thema anbieten.“
  • „Ich würde Ihnen gerne eine Interview-Angebot machen.“
  • “Hätten Sie Interesse an einem Gespräch zu diesem Thema?”


5. Journalisten interessieren sich (meist) nicht für dein Produkt

Journalisten sind immer auf der Suche nach guten Geschichten – zum Beispiel Stories von Menschen, die etwas erlebt haben und etwas zu erzählen haben. Außerdem sind sie auf der Suche nach Interview-Partnern, die sich auf einem Gebiet besonders gut auskennen.

Das alles interessiert sie hundert Mal mehr als dein Produkt oder eine News aus dem Unternehmen!

Also frag dich schon, bevor du den Journalisten kontaktierst:

  • Was ist an mir interessant?
  • Was kann ich dem Journalisten Spannendes über mich erzählen, das mit meinem Business, meinem Produkt oder mit meiner Dienstleistung zu tun hat?
  • Welches Wissen könnte ich an die Leser dieses Journalisten weiter geben?

Nun steht oben allerdings, Journalisten würden sich MEIST nicht für dein Produkt interessieren. Denn manchmal müssen sie Seiten füllen, die von Produkt-Entdeckungen leben – solche Seiten heißen oft “Lieblinge des Monats” oder “Für dich entdeckt”.

Schlägst du dein Produkt gezielt für so eine Seite vor, und passt dein Produkt zum Konzept dieser Seite, so kannst du auch damit Erfolg haben. (Was allerdings nicht heißt, dass du es nicht über den oben beschriebenen Weg versuchen solltest)

 

6. Journalisten reagieren allergisch auf Überredungs-Versuche

Wenn ein Journalist zu dir sagt: „Sorry, das Thema ist leider nicht interessant für uns“, dann versuche lieber nicht, ihn breit zu schlagen, damit er sich doch noch irgendwie deines Themas annimmt.

Wenn ein Journalisten „Nein“ sagt, dann heißt das auch „Nein“. In dem Moment weiter zu bohren, hinterlässt einen denkbar schlechten Eindruck.

Versuche stattdessen lieber, mit einem anderen Themenvorschlag zu landen – oder frag den Journalisten, an welcher Art von Themen er denn interessiert ist. Nutze das „Nein“ als Chance, um herauszufinden, wo deine Chancen liegen.

Denn solange du gute Ideen lieferst, kannst du nicht viel falsch machen – und immer wieder bei der Redakteurin oder dem Journalisten anklopfen.

Das nervt nicht und tut auch nicht weh – weder dir, noch dem Journalisten.


7. Journalisten mögen’s kurz und knackig

Egal, ob per E-Mail oder am Telefon: Erzähl dem Journalisten nicht dein halbes Leben oder sämtliche Details deines neuen Produktes. Halte dich in deinen Anfragen kurz!

Journalisten mögen E-Mails mit maximal drei, vier Absätzen. Deshalb solltest du in der Lage sein, deinen Themenvorschlag kurz und prägnant aufzuschreiben.

Die gleiche Regel gilt für Telefonate: Notiere dir am besten vorher in Stichworten, was du sagen möchtest und mit welchen Worten du dein Thema beschreiben willst. Sei klar und komm zügig zum Punkt.

Denk daran: weniger ist mehr.

Und falls du dich jetzt fragst, welche Art der Kontaktaufnahme eigentlich die Richtige ist, schau dir dieses Video an:

Dieses Video ansehen auf YouTube.

8. Journalisten mögen keine Massen-Mails

Du glaubst, du kannst eine E-Mail an einen Verteiler von 1000 Redaktionen versenden? Lass lieber die Finger davon.

Denn jede Redaktion hat ein anderes Zielpublikum, andere Schwerpunkte, andere Themenwelten.

Hier mal ein Beispiel: Die Zielgruppe des Online-Magazins stern.de sind vor allem angestellte Männer – die der Plattform impulse.de dagegen Unternehmer und Selbständige.

Möchtest du beiden das gleiche Thema vorschlagen, wirst du scheitern. Denn Angestellte und Unternehmer interessieren sich nun mal für sehr unterschiedliche Dinge: die einen für Fragen wie “Wie bekomme ich mehr Gehalt?”, die anderen für Fragen wie “Wie finde ich genau die richtigen Mitarbeiter?”

Deine Aufgabe sollte es deshalb sein, ein Thema genau so anzubieten, dass es die Zielgruppe dieser einen Publikation wirklich interessiert. Und dafür musst du Interview-Angebote maßschneidern.

Wie du Journalisten dabei maximal neugierig machst, kannst du in diesem Blogpost vertiefen.


9. Journalisten haben Deadlines – und dann solltest du sie in Ruhe lassen

Du hast ja schon gelernt, dass du Journalisten nicht lang und breit von deinen Erfolgen oder innovativen Produkten erzählen solltest.

Was du noch viel weniger tun solltest: Lang und breit von deinen Erfolgen oder innovativen Produkten erzählen, wenn der Redakteur in 20 Minuten seinen Text abgeben soll – also eine „Deadline“ vor Augen hat.

Diese Deadline beginnt bei Tageszeitungen gegen 15 Uhr und dauert bis ca. 19 Uhr. In dieser Zeit stehen die Journalisten total unter Strom und verwenden ihre ganze Energie für das aktuelle Tagesgeschäft.

Rufst du in diesem Moment an, so kannst du fast sicher sein, dass du einen genervten, kurz angebundenen Gesprächspartner am Apparat hast.

Vermeide diesen Zeitpunkt, und es wird deutlich gelassener zugehen.

Du hast in diesem Text nun viel darüber gelernt, was du alles AUF GAR KEINEN Fall tun solltest.

Was ich dir aber auch noch mitgeben möchte: Wenn du diese ungeschriebenen Regeln beachtest, ist das Journalisten-Kontaktieren überhaupt nicht schlimm. Wirklich nicht! Und wenn dann doch mal ein Nein kommt – hier lernst du, wie du besser damit umgehst.

Lass dich von uns dabei begleiten, dein Business in die Presse zu bringen – und keine Fehler zu machen! 

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Marike Frick

Marike Frick ist ausgebildete Journalistin und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Pressearbeit selber machen können. Ihre Texte sind u. a. in DIE ZEIT, Brigitte Woman, Financial Times Deutschland, Spiegel Online und Business Punk erschienen. Sie lebt mit ihrer Familie derzeit in Genf, glaubt an die tägliche Ration Kaffee (Barista-Style) und liebt gut gemachte TV-Serien in Kombination mit dunkler Schokolade und Rotwein.