Wie schafft man es in Medien wie FAZ, Handelsblatt und Capital – als stinknormale Selbstständige? Wollen die nicht lieber mit “den Großen” sprechen? Irene Maria Kern hatte da anfangs auch ihre Zweifel. Hier erzählt sie, was dann passierte.
Als du dich vor fünf Jahren als Teamentwicklerin selbständig gemacht hast – hättest du da gedacht, dass Journalisten mal über dich berichten würden?
Nein, das hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Ich dachte: Um für die Presse interessant zu sein, muss man irgendwie besonders sein oder ein krasses Expertentum mitbringen. Deshalb war ich auch lange nicht sicher, ob die Presse Rockstars für mich das Richtige sind. Dann sagte mein Vater einen klugen Satz zu mir…
Und zwar?
“Jede Fortbildung ist ein Investment in dich selbst. Und wenn du das Gefühl hast, du kannst was lernen und das macht dir Spaß, dann ist es erst mal egal, ob sich das wirtschaftlich lohnt.” Im Kurs habe ich dann verstanden: Na klar bin ich Expertin. Ich muss mich nicht verstecken. Das hat meinem Selbstwertgefühl total gut getan. Und im Programm habe ich dann alles so aufgestellt, dass ich das Gefühl hatte: Das hat Hand und Fuß und sieht seriös aus. So kann ich loslegen.
"Mein Interview mit der dpa wurde von über 70 Medien übernommen! Daraufhin wurden große Medien auf mich aufmerksam: Handelsblatt, Capital, Impulse."
Irene Maria Kern
Unternehmensberaterin & Teamentwicklerin
Was konkret hast du verändert?
Ich habe meine Startseite überarbeitet und dort meine Kompetenz mehr betont. Ich bin Krankenschwester, und 80 Prozent meiner Kunden kommen aus der Gesundheitsbranche. Das spiegelt jetzt auch meine Webseite wider. Außerdem habe ich mich getraut, auf der Über-Mich-Seite sehr viel persönlicher zu werden, und ich habe einen Pressebereich angelegt.
Trotzdem brauchte ich dann doch noch mal einen richtigen Schubs, um E-Mails an Journalisten auch wirklich abzuschicken.
Wer hat dir den gegeben?
Ich hatte mit einer Kollegin Kontakt, die schon erfolgreich war in ihrer Pressearbeit. Die hat mich ermutigt: „Komm, Irene, mach das jetzt einfach!“ Und ich so: „Ja, gleich morgen!“ Das hat sie nicht gelten lassen: „Nee, Irene, ich möchte nachher eine Bestätigungsmail von dir, dass du das erledigt hast.“
Und, hat es funktioniert?
Ja, ich habe es erledigt. Danach musste ich dann noch einmal bei den Journalisten nachhaken, was mich echt Überwindung gekostet hat – aber dann lief es plötzlich fast wie von selbst. Ein Interview mit der dpa wurde von über 70 Medien übernommen! Da ging es um „Mehr Zeit im Arbeitsalltag“. Daraufhin wurden große Medien auf mich aufmerksam: Handelsblatt, Capital, Impulse. Mein persönliches Highlight war die FAZ, ein Interview zum Thema Führung. Im Gespräch ergab sich dann gleich noch etwas, die Redakteurin hat mich direkt gefragt, ob ich für ein anderes Thema auch einen Beitrag leisten kann. So hatte ich kurz darauf noch eine Geschichte in der FAZ, ohne selbst etwas anzubieten. Und parallel habe ich in der Fachpresse erfolgreich spitzere Themen gepitcht, zum Beispiel einen Beitrag zum Thema „Interkulturelle Teams“ im Fachmagazin „care konkret”.
"Ich hatte wirklich nie das Gefühl, dass meine Ansprechpartner genervt von mir sind. Das ist immer eine sehr wertschätzende Kommunikation."
Irene Maria Kern
Unternehmensberaterin & Teamentwicklerin
Wie integrierst du die Pressearbeit ganz praktisch im Arbeitsalltag?
Mir ist wichtig, den Überblick zu behalten, deshalb schicke ich Themen nicht an mehr als drei Redaktionen raus, von denen ich denke, es könnte passen. Und hake meist nach zwei Wochen wieder nach. Wo ich noch besser werden muss, ist die langfristige Verfolgung, etwa, wenn Journalisten mir sagen: Jetzt passt es nicht, aber melden Sie sich in vier Monaten nochmal. Das rutscht bei mir dann manchmal durch.
Aktiv nachzuhaken hat übrigens auch meine Kundengewinnung verändert. Seitdem ich das umsetze, werden aus unverbindlichen Anfragen öfter konkrete Aufträge.
So soll das sein! Neben dem gezielten Nachfassen: Hast du noch andere Hacks im Umgang mit der Presse?
Es ist eigentlich ganz simpel, aber: nett sein, zugewandt sein, Empathie zeigen für die Arbeitssituation und den Stress der Gegenseite, das schafft eine gute Atmosphäre. Nie zu werblich werden, sondern immer klar machen, welchen praktischen Nutzen meine Expertise hat, welche Geschichten ich erzählen kann. Ich hatte wirklich nie das Gefühl, dass meine Ansprechpartner genervt von mir sind. Das ist immer eine sehr wertschätzende Kommunikation.
Hast du noch eine Redaktion auf der Wunschliste stehen, bei der es bisher noch nicht geklappt hat?
Die „Brigitte“! Ich würde so gern mal meine Geschichte erzählen, wie ich mich beruflich weiterentwickelt habe, von der Krankenschwester zur Unternehmerin. Ich weiß, dass viele Menschen aus dem Pflegebereich von anderen Karrieren träumen und sich dafür interessieren, wie andere das gemacht haben.
"Ich merke, dass ich in der Branche mehr Leuten auf dem Schirm bin (...) Ich habe auch meine Preise erhöht, relevant und angemessen. Mein Mindset hat sich total verändert."
Irene Maria Kern
Unternehmensberaterin & Teamentwicklerin
Ich habe noch immer den Satz deines Vaters im Kopf, das Thema „Investment in sich selbst.“ Was würdest du heute sagen: Lässt sich dein Erfolg beziffern?
Nicht eins zu eins, im Sinne von mehr Kundenanfragen. Aber langfristig ist es das Beste, was ich tun konnte. Ich merke, dass ich in der Branche mehr Leuten auf dem Schirm bin als Gesundheitsexpertin, ich bin klarer als Geschäftsfrau, ich habe auch meine Preise erhöht, relevant und angemessen. Mein Mindset hat sich total verändert.
Und die Zweifel, ob du dich Expertin nennen darfst – sind die jetzt weg?
Ich bin schon auf dem Teppich geblieben, und vielleicht bin ich immer noch eher der Typ, der sein Licht unter den Scheffel stellt. Aber ja, ich bin auf jeden Fall innerlich gewachsen, auch durch den Ehrgeiz, in meiner „Bekannt aus“-Leiste große Medien stehen zu haben. Und es macht mich jedes Mal stolz, wenn ich merke: Ich habe wirklich etwas zu sagen, das Leute interessiert.
AUSSCHNITTE VON IRENE MARIAS VERÖFFENTLICHUNGEN
IRENE MARIA KERN
Irene Maria Kern ist Unternehmensberaterin und Teamentwicklerin in Hamburg, mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen. Als gelernte Krankenschwester kennt sie die Branche aus langjähriger Erfahrung
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