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„Dürfen die mich so zitieren?” Deine Rechte bei Interviews

Wenn ein Journalist einen Text schreibt, hast du keine Garantie, dass er zu 100 Prozent positiv ist. Trotzdem hast du noch Kontrolle über deinen Beitrag. Hier verrate ich dir, was du tun kannst, wenn du dich falsch zitiert fühlst.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:
  • Zitate sind nicht rechtlos: Auch wenn ein Interview nicht vollständig positiv ausfällt, kannst du Einfluss auf deine Zitate nehmen.
  • Vorbereitung ja, Kontrolle nein: Fragen vorab sind kein Muss – Themenblöcke sind realistischer.
  • Zitat-Check möglich: Du kannst vorab um Autorisierung bitten, hast aber keinen gesetzlichen Anspruch.
  • Korrigieren mit Augenmaß: Fakten und Ton dürfen angepasst werden, aber ohne komplette Textumschreibungen.

Welche Rechte hast du gegenüber Journalisten, wenn du dich als Interview-Partner oder -Partnerin zur Verfügung stellst? Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Vor dem Interview: Kann ich mir die Fragen schicken lassen?

Na logisch, denkst du, schließlich willst du wissen, was dich erwartet. 

Nur: Ganz so einfach ist das nicht.

Nicht nur bei Politikern, auch bei Expertinnen für ein Thema wie Erziehung, Coaching oder Finanzen fragen Journalisten oft kritisch nach.

Wenn sie ihre Fragen vorab herausgeben, verpufft für sie der Überraschungsmoment – du würdest “vorbereitet” antworten (und damit oft: nicht ganz so locker, spontan und authentisch). 

Wenn du also darum bittest, ob du Fragen vorab bekommen kannst, dann bitte mit guten Argumenten. Zum Beispiel: “Wenn ich vorher weiß, was Sie und Ihre Leserinnen interessiert, dann kann ich mich besser vorbereiten.” 

Üblich ist auch eine Art Kompromisslösung: keine wörtlichen Fragen, aber eine Übersicht zu den zwei, drei Themenblöcken, die den Interviewer interessieren. 

Wenn du mehr dazu wissen willst, auf welche Forderungen Journalisten allergisch reagieren und wie du im Umgang mit ihnen smart und professionell wirkst, schau dir mein Video dazu an:

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Interview zitieren: Darf ich etwas zurücknehmen, was ich schon gesagt habe?

Es kann immer passieren, dass du den Eindruck hast: Diese Formulierung war unglücklich. Oder: Ich habe ein Detail preisgegeben, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Dann ist es absolut üblich, schon im Interview  freundlich darauf hinzuweisen: “Was ich Ihnen eben gesagt habe, bleibt bitte unter uns”. Oder: “Das war jetzt zu flapsig, lassen Sie mich nochmal neu formulieren.”

Im Journalisten-Sprech gibt es die Formulierung “unter drei”. Das bedeutet: Das Gesagte dient als Hintergrundinformation,  zur Einordnung, darf aber nicht zitiert werden. 

“Diese Info ist unter drei” – mit diesem lässig eingestreuten Satz outest du dich als totaler Medienprofi! 

Nach dem Interview: Ist es üblich, dass mir meine Zitate noch mal vorgelegt werden? 

Wenn es dir wichtig ist, kannst du dir vor dem Interview per Mail zusichern lassen, dass du deine Zitate autorisieren darfst. Das bedeutet, deine Zitate dürfen erst nach deiner Freigabe veröffentlicht werden.

Manche Journalistinnen bieten diese Möglichkeit von selbst an. Wenn nicht, kannst du freundlich darum bitten. 

Mach dabei klar, dass es dir nicht um Misstrauen geht, sondern um das bestmögliche Ergebnis.

Mit dieser Vorlage kannst du schon vorab darum bitten, Zitate noch mal zu sehen: 

“Es wäre mir wichtig, dass ich meine Zitate im Wortlaut noch einmal zu sehen bekomme, bevor der Artikel veröffentlicht wird. Einfach, um sicherzugehen, dass es nicht zu missverständlichen Formulierungen kommt und alles sachlich richtig ist. So sind wir beide auf der sicheren Seite.”

Denn gerade bei komplizierten Fachgebieten ist es auch für Journalisten eine Hilfe, wenn du als Expertin noch einmal die Fakten checkst.  Zum Beispiel bei medizinischen Themen, wenn es wichtig ist, dass du keine unzulässigen Heilversprechen machst. Auch nicht im Interview. 

Am besten, du weist früh darauf hin. Vielleicht nicht gerade beim allerersten Kontakt (“Aber es ist schon klar, dass Sie mir die Zitate nochmal schicken, oder?!”) – aber entweder bei der Terminvereinbarung oder spätestens nach Ende des Gesprächs. 

Wenn dir die Zitate dann vorliegen, prüfst du sie natürlich kritisch.

Pro-Tipp von mir als gelernter Journalistin: Sei dabei nicht zu kleinlich!

Klar muss alles seine Richtigkeit haben, und du solltest dich mit dem Wortlaut wohlfühlen. Aber oft sind wir mit uns selbst viel kritischer als andere. 

Wir hatten zum Beispiel mal eine Kundin, die sich in einem Call mit uns über ein Zitat beschwerte und sagte: “Das lässt mich total unsympatisch klingen!”

Mit der Einschätzung war sie aber komplett allein – nicht nur ich, sondern auch die anderen Teilnehmenden sahen das anders.

Weitere wichtige Tipps für die Autorisierung von Zitaten:

  • Halte dich beim Autorisieren von Print-Interviews an die ursprüngliche Länge – mehr Platz gibt es sowieso nicht, sonst muss die Journalistin nur wieder kürzen.
  • Korrigiere bitte nicht komplette Sätze des Journalisten, sondern nur falsche Fakten oder Formulierungen, von denen du findest: Auch wenn es inhaltlich stimmt, das ist überhaupt nicht meine Art zu reden.
  • Am besten bastelst du gar nicht selbst im Text herum, sondern fügst Änderungsvorschläge im Kommentarmodus hinzu. Das ist diskreter und signalisiert dem Journalisten, dass du vor seiner Arbeit Respekt hast.

Ganz ehrlich? Alles andere nervt – und das willst du nicht. 

Denn der worst case wäre: Der Journalist verwendet deine Zitate gar nicht mehr und streicht dich komplett  aus dem Artikel heraus – weil das, was du sagst, zu weit von seinen Fragen und der ursprünglichen These abweicht.

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    Darf ich einzelne Zitate oder ein ganzes Interview zurückziehen?

    Ja, kannst du. Du machst dir damit allerdings keine Freunde. Von daher: lieber vorher überlegen, was für dich wichtige Talking Points sind. 

    Oder, falls dir im Eifer des Gefechts etwas herausrutscht: Gleich darauf hinweisen, dass du damit nicht zitiert werden möchtest, siehe Punkt zwei.

    Bekomme ich den ganzen Text vor dem Abdruck noch mal zu sehen?

    Äh: nein. Einfach nein. Pressefreiheit ist ein hohes Gut! Es ist Teil des journalistischen Kodex, dass Aussagen von Interviewpartnern nicht grob verkürzt und aus dem Zusammenhang gerissen werden dürfen.

    Aber ob dir hinterher der gesamte Ton und die Einordnung des Artikels gefällt, ist nicht der Maßstab für guten Journalismus.

    Das klingt vielleicht hart. Aber Journalisten sind keine Pressesprecher.

    Ihre Aufgabe ist es, kritisch nachzufragen – und ihre Erkenntnisse unverfälscht aufzuschreiben. Ob dir das Ergebnis passt oder nicht.

    Was also bekommst du bei einer so genannten Autorisierung zu sehen?

    • Wenn eine Journalistin deinen Wortlaut für einen durchgeschriebenen Text benutzt, dann sind “Zitate im Textzusammenhang” üblich – also einschließlich Kontext, meist ein halber oder ganzer Absatz.
    • Den gesamten Text kannst du erst nach Veröffentlichung lesen. In der Praxis gibt es allerdings gelegentlich Ausnahmen, das ist auch von Journalist zu Journalist unterschiedlich.
    • Erste Ausnahme: Wenn die Gesprächsatmosphäre nett war, wenn du die einzige befragte Expertin bist und ohnehin in fast jedem Absatz auftauchst. Aber auch dann solltest du dich hüten, Passagen und Formulierungen zu kommentieren, die nicht mit deinem eigenen Wortlaut in Verbindung stehen.
    • Zweite Ausnahme: bei ultra persönlichen Geschichten. Wenn du zum Beispiel Firmen zum Umgang mit krebskranken Mitarbeitenden berätst, weil du selbst Krebs überlebt hast. Dann lassen sich manche – nicht alle! – Journalisten auch darauf ein, dir einen Text zur Abnahme zu geben (oder bieten es sogar von sich aus an).

    Auch hier gilt: Auch wenn es um deine Geschichte geht, jeder Journalist und jedes Medium hat einen eigenen Stil. Den solltest du respektieren. 

    Aber in solchen Fällen gibt es oft eher die Möglichkeit, über einzelne Formulierungen im Text  zu sprechen – auch wenn es nicht dein Wortlaut ist.

    Besonderheit: Ein so genanntes “Q and A” (aka “questions and answers”, also ein durchgeschriebenes Interview) bekommst du im Ganzen zugeschickt. In der Regel aber ohne Titel und Vorspann. Denn da lassen sich Redaktionen ungern reinreden.

    Interview zitieren: Darf eine Journalistin meine Aussagen kürzen oder umformulieren?

    Das gehört sogar zum Job dieser Journalistin! Denn ihre Aufgabe ist es

    • komplexe Sachverhalte für die eigene Leserschaft nachvollziehbar zu machen,
    • die wichtigsten Aussagen aus Gesprächen herauszufiltern,
    • bei Kontroversen beide Seiten ausgewogen darzustellen,
    • Thesen für mehr Klarheit zuzuspitzen, ohne sie zu verfälschen.

    Ein Interview ist kein Wortprotokoll, die Schriftform folgt nur selten dem tatsächlichen Gesprächsverlauf. 

    Denk an Nachrichtensendungen wie die Tagesschau: O-Töne, zum Beispiel von Politikern oder Wirtschaftsführerinnen, entstammen immer längeren Gesprächen. Sie werden so zurecht geschnitten, dass sie als Statement kurz und knapp eine Frage beantworten.

    Was meinst du, wie lang eine Nachrichtensendung sonst dauern würde? 😉

    Was, wenn meine Zitate aus dem Zusammenhang gerissen wurden?

    Stell dir vor, du bist Familienberaterin und hast der Redakteurin einer Boulevardzeitung ein langes Interview zum Thema Kleinkinder und Krippenbetreuung gegeben. 

    Du hast ausführlich erklärt, dass eine Familie genau abwägen sollte zwischen den Bedürfnissen aller Beteiligten. Zwischen finanzieller Notwendigkeit, Lebensplänen, Befindlichkeiten.

    Du hast sehr differenziert hergeleitet, dass für manche Kinder in manchen Umständen eine Außer-Haus-Betreuung im Kleinkindalter zu erhöhtem Stress führen kann. Der sich in Aggression äußern kann. Kann!

    Dann geht der Artikel auf der Webseite live – und du fällst aus allen Wolken.

    “Erziehungsexpertin warnt: Krippe macht Babys zu Bestien!” 

    Und weiter, dein erstes mündliches Zitat: “Kleinkinder in Fremdbetreuung fallen durch aggressives Verhalten auf”, erklärt Expertin xy.

    Aua. So pauschal hast du das nie gesagt. Du hast Angst, dass dir das Interview schadet.  

    Was jetzt?

    Du kannst deine Zitate zurückziehen und verlangen, dass in dem genannten Artikel dein Name nicht mehr genannt wird. Vielleicht gibt es noch andere Gesprächspartner, die sich korrekt wiedergegeben fühlen – das muss aber nicht dein Problem sein.

    Aber auch hier solltest du dich fragen: Hast nur du das Gefühl, dass dein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen ist? Oder wird es möglicherweise später im Text doch relativiert, differenziert, näher ausgeführt?

    Generell gilt: 

    • Der Sinn von Aussagen darf nicht verfälscht werden. Das ist Teil der so genannten journalistischen Sorgfaltspflicht.
    • Ob du rein juristisch ein Recht auf Richtigstellung hast, lässt aber sich nicht pauschal beantworten – das wird im Presserecht von Fall zu Fall unterschiedlich entschieden.
    • Du solltest dir gut überlegen, ob du dich auf einen Rechtsstreit einlassen willst. Zum Einen gibt es einfachere Möglichkeiten: bei einer Print-Veröffentlichung kannst du zum Beispiel darum bitten, dass deine Stellungnahme auf der Leserbriefseite abgedruckt wird. Zum Zweiten braucht Pressearbeit einen langen Atem. Denk immer dran: Du sollst dich nicht verbiegen – aber du solltest es dir auch nicht mit denen verscherzen, die wichtig für dich sind.

    Im besten Fall ziehen Medien und du an einem Strang: Sie bekommen eine gute Story  – und du Reichweite, Reputation und Interesse für dein Business.

    Du willst dein Business in die Presse bringen und gut vorbereitet in Interviews gehen?

    Dann lass dich von unseren Journalistinnen trainieren und begleiten!

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    Über die Autorin

    Marike Frick ist ausgebildete Journalistin und hat unter anderem für DIE ZEIT, Brigitte, den mareverlag, Financial Times Deutschland und SPIEGEL ONLINE gearbeitet. Heute zeigt sie Gründern, Selbstständigen und Experten, wie sie mit ihrem Business, Buch oder Produkt in die Presse kommen. Außerdem schreibt sie über Content, Storytelling und Marketing mit Anstand. Sie lebt mittlerweile in Genf und leitet die im DACH-Raum tätige Words Matter GmbH.

    2 Gedanken zu „„Dürfen die mich so zitieren?” Deine Rechte bei Interviews“

    1. Vielen Dank für diesen Beitrag, das war sehr interessant und hilfreich! Ich bin in meiner Eigenschaft als Islamwissenschaftlerin mal von einer Studentin, die für eine kleine Radiostation arbeitete, völlig falsch zitiert worden. Also, das Interview wurde so geschnitten, daß eine meiner Antworten auf eine völlig andere Frage folgte. Das war ziemlich desaströs. Ich war damals selbstverständlich davon ausgegangen, daß es noch eine Freigabe geben würde – denn so läuft das in der Wissenschaft. Da der Sender keine große Reichweite hatte, habe ich es auf sich beruhen lassen. Aber ich habe dieses Interview deshalb nie irgendwo angegeben und wäre nicht mehr bereit, ein Interview zu geben, wenn ich die Zitate nicht vorher noch einmal prüfen kann. Natürlich steht zu hoffen, daß Profis solche Fehler gar nicht erst machen. Aber ein gebranntes Kind fürchtet das Feuer, und niemand will seine Reputation aufs Spiel setzen. Insofern ist es gut zu wissen, daß Interviews durchaus ein zweischneidiges Schwert sind. So kann man entscheiden, ob man wirklich in die Presse will und wenn ja, unter welchen Bedingungen.

    2. ich finde schön, wenn alternative Baustoffe, Lehm, in der Presse bekannt gemacht werden.

      aber manche Journalisten verwechseln ihr angelesenes Wissen, vom hörensagen; mit dem Wissen von Leuten, die seit Jahrzehnten damit zu tun haben, damit arbeiten, Experten auf dem Gebiet sind.

      also „meinen“ Text damals, der über Lehmbau und über die Sachen, die wir erklärt und gesagt haben, zu lesen, war eine völlige Katastrophe.

      mir tut jedeR Leid, der sich da so missverstanden fühlt.
      das wird zu anti-werbung.

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