Zum Inhalt springen

13 Profi-Tipps für richtig gute Texte

  • 12 min read

Wann immer du potenzielle Kunden erreichen willst, brauchst du Texte – ob nun auf deiner Webseite, in Social Media, in Broschüren oder im Newsletter. Und natürlich willst du, dass dein Leser dabei dranbleibt! Wie du das schaffst? Indem du ein paar Profi-Tipps für richtig gute Texte beherzigst (denn glaub mir, durchschnittliche Texte bringen’s nicht mehr!).

Tipp 1: Halte dich an kurze Sätze

Wenn du verstanden werden willst, schreib in kurzen Sätzen. Diese simple Profi-Regel gilt ganz besonders, wenn du Texte online veröffentlichst!

Denn Menschen lesen Webseiten selten vom ersten bis zum letzten Wort – sie scannen eher. Sie brechen wieder ab, wenn der Newsletter zu kompliziert verfasst ist. Und sie legen auch die Broschüre wieder zur Seite, wenn es anstrengend wird.

Verabschiede dich deshalb von Sätzen, die so lang sind, dass einem ganz schwindelig wird. Auch Finger weg von Sätzen, wo der Leser am Ende vergessen hat, worum es am Anfang ging!

Hier darfst du aus langen Sätzen mehrere kurze machen – oder zum Beispiel mit Doppelpunkten und Gedankenstrichen arbeiten.

Zwei Beispiele für Schwindel-Sätze – und wie du sie lesbar machst:

Das ist ein viel zu langer Satz:

Dein Urlaub liegt noch gar nicht so lange zurück, aber der Stress, der auf dich im Job gewartet hat, hat dich nach kurzer Zeit mit Stapeln von Unterlagen, mit unbeantworteten E-Mails im Posteingang und einer brechend vollen To-Do-Liste schon wieder voll im Griff.

So wird es besser:

Kaum zurück aus dem Urlaub und schon hat dich der Job-Stress wieder im Griff: Ein Stapel voller Unterlagen, unbeantwortete E-Mails und eine volle To-Do-Liste warten darauf, abgearbeitet zu werden.

Das ist ein viel zu langer Satz:

Unsere Angebote richten sich an Eltern, die ihr Kind so begleiten wollen, dass es auch dann eigenständig und mit Freude seine Hausaufgaben macht, wenn die Aufgaben mal schwieriger ausfallen und es nicht sofort auf die Lösung kommt, denn hier können Eltern, statt einzugreifen, liebevoll unterstützen.

So wird der Satz besser:

Unsere Angebote richten sich an Eltern, die ihr Kind dabei begleiten wollen, eigenständig und mit Freude seine Hausaufgaben zu machen. Und das selbst dann, wenn das Kind nicht sofort auf die Lösung kommt. Hier können Eltern liebevoll unterstützen, statt einzugreifen.

Praxis-Tipp:

Du bist dir unsicher, ob einer deiner Sätze zu lang ist? Dann lies ihn laut vor! Geht dir dabei die Puste aus, musst du dringend mehr Punkte setzen.


Tipp 2: Gute Texte brauchen Verben

Deine Sprache und damit deine Texte werden klarer, wenn du weniger Substantive verwendest (vielleicht habt ihr damals in der Schule auch „Hauptwörter“ dazu gesagt).

Alles was auf –ung, -heit und –keit endet, solltest du nur in Maßen einsetzen oder noch besser: durch Verben ersetzen.

Denn Verben kommen schneller in unserem Hirn an und sind bildhafter, sie lockern auf. Und vor allem: Sie klingen nach gesprochener Sprache – also nach der Sprache, die wir gewohnt sind, die wir schnell verarbeiten.

Wer Verben einsetzt, wird besser verstanden!

Hier ein Substantiv-Beispiel:

Den Kauf meiner Bluetooth Kopfhörer habe ich nie bereut.

So machst du daraus einen Satz mit Verben:

Ich habe nie bereut, dass ich mir Bluetooth Kopfhörer gekauft habe.

Hier ein Substantiv-Beispiel:

In meiner Verzweiflung über die Verspätung der Lieferung habe ich eine E-Mail geschrieben.

So machst du daraus einen Satz mit Verben: 

Ich war verzweifelt, weil die Lieferung sich verspätet und habe eine E-Mail geschrieben.

Praxis-Tipp:

Mach den Substantiv-Test: Streiche alle Substantive in deinem Text an. Plötzlich ist ein großer Teil des Textes gelb? Dann an die Arbeit: Ersetze einige der Substantive durch Verben – so wird dein Text besser lesbar und lebendiger.


Tipp 3: Verabschiede dich von „man 

Ein Text liest sich immer besser, wenn er aktiv formuliert ist. Verzichte beim Schreiben deshalb aufs Wörtchen „man“ – und dein Text wird direkter, eindringlicher, klarer, persönlicher.

Ein Beispiel, wie du es nicht machen solltest:

Wenn man sich gut vorbereitet, hat man größere Chancen.

So wird es besser:

Wenn du dich gut vorbereitest, hast du größere Chancen.

Merkst du den Unterschied?


Tipp 4: Floskeln, Fremdwörter, Modebegriffe – bitte nicht!

Klischees wie „Natur pur“, „Aller Anfang ist schwer“, „Ende gut, alles gut“, „wie Sand am Meer“ – sie tauchen in unzähligen Broschüren und auf Webseiten auf. Und: Sie LANGWEILEN.  

Von solchen Floskeln wird niemand gepackt – aber genau das gepackt-Werden und beim-Lesen-dranbleiben willst du doch erreichen, oder?

Mein Rat: Verzichte auf Allgemeinplätze, Floskeln, Klischees.

Das gleiche gilt für Modebegriffe, die keine Gefühle entstehen lassen.

Hier ein paar Beispiele:

Das steht auf vielen Webseiten: Ich achte auf eine ganzheitliche Ernährung, weil mir mein Körper wichtig ist.

Besser wird es so:

Ich ernähre mich gesund, esse viel Obst und Gemüse, weil mir mein Körper wichtig ist.

Das steht auf vielen Webseiten: Mit meinen praktischen Methoden lernst du, wie du deine inneren Blockaden löst.

Besser wird es so:

Mit meinen praktischen Methoden lernst du, wie du in schwierigen Situationen deine Ängste in den Griff bekommst und gleichzeitig Stress abbaust.

Der Unterschied besteht darin, dass du durch das Streichen von Modebegriffen wie „innere Blockaden“ oder „ganzheitlich“ gezwungen bist, konkreter zu werden. Und konkrete Sprache dockt an, löst etwas aus, lässt ein Bild im Kopf entstehen –und bleibt somit besser im Gedächtnis.


Tipp 5: Streich Füllwörter aus deinen Texten 

Füllwörter machen deine Texte lang und verwässern, was du sagen willst.

Hier ein paar Beispiele für Füllwörter, die deinen Text aufblähen:

  • etwas
  • genau
  • häufig
  • nun
  • schon
  • sicher
  • voll
  • ganz
  • vielleicht
  • total

Scanne deinen Text nach dem Schreiben auf solche Füllwörter und streiche sie. Du wirst feststellen: Inhaltlich geht meist nichts verloren – im Gegenteil, dein Text wird besser!  

Hier ein Satz mit vielen Füllwörtern:

Die Anliegen unserer Kunden sind total unterschiedlich, aber wir bemühen uns, allen voll und ganz gerecht zu werden.

Ohne Füllwörter wird es kürzer und klarer:

Unsere Kunden haben unterschiedliche Anliegen, aber wir bemühen uns, allen gerecht zu werden.

Du siehst: Der Aussagekraft des Satzes ist nichts verloren gegangen.


Tipp 6: Arbeite beim Schreiben mit Beispielen

Ist dir etwas aufgefallen? Ich habe versucht, für möglichst viele meiner Tipps Beispiele zu finden. Denn Beispiele machen jeden Text anschaulich.

Möglicherweise bleibt dir ein Tipp nur deshalb im Gedächtnis, weil du ein gut verständliches Beispiel dazu erhalten hast. Das ist normal, so funktioniert unser Gehirn!

Arbeite deshalb beim Schreiben mit Satzanfängen wie diesen:

  • Stell dir zum Beispiel vor…
  • Lass mich dir ein Beispiel geben…
  • Ich habe dir ein Beispiel mitgebracht…
  • Damit du dir besser vorstellen kannst, was ich meine…
  • Das hat zum Beispiel auch meine Kundin XY gemerkt…


Tipp 7: Lass die Rechtschreibung checken

Schreibst du Stunden oder sogar Tage an einem Text, wirst du irgendwann betriebsblind.

Heißt: Du übersiehst den ein oder anderen Rechtschreibfehler. Das ist zwar nachvollziehbar – aber vermeidbar.

Es gibt reichlich Tools im Netz, mit deren Hilfe du deinen Text auf Rechtschreibung prüfen kannst. Denn ein fehlerloser Text wirkt professioneller!

Ein Rechtschreib-Tool, das ich gern nutze, ist der Duden Mentor.

Hier kannst du scheibchenweise deinen Text per copy & paste einfügen (für die kostenlose Version gibt es eine Zeichenbeschränkung).


Tipp 8: Aufgepasst bei Wiederholungen!

Über Wiederholungen stolpern Leser zwangsläufig. Denn es wirkt unprofessionell, wenn in deinem Text zu schnell hintereinander das gleiche Wort auftaucht. Versuche deshalb, ab und zu ein Synonym zu finden.

Hier ein Beispiel für zu viele Wiederholungen:

Wenn dein Hund unruhig ist, solltest du mit ruhiger Stimme mit ihm sprechen. Ein nervöser Hund braucht einen entspannten Umgang! Wie du mit deinem Hund redest, macht einen großen Unterschied.

So kannst du es besser machen:

Wenn dein Hund unruhig ist, solltest du mit ruhiger Stimme mit ihm sprechen. Er braucht jetzt einen entspannten Umgang! Wie du mit deinem Tier redest, macht einen großen Unterschied.

Ich habe hier einmal „er“ und einmal „dein Tier“ gewählt, statt das Wort „Hund“ zu benutzen.

Achtung: Besser nicht übertreiben! Manche sprechen plötzlich vom „Vierbeiner“ und „Herrchens Liebling“, nur, um das Wort „Hund“ zu vermeiden. Das wirkt schnell albern.

Ich finde: Wenn du „Hund“ ein bis zwei Mal durch ein Synonym ersetzt hast, darfst du das Wort wieder verwenden.

Praxis-Tipp:

Arbeite mit einem Synonym-Wörterbuch wie z.B. Woxikon! So findest du schnell Ersatz für allzu oft verwendete Wörter.


Tipp 9: Sorge für Übersichtlichkeit 

Übersichtliche Texte lassen sich leichter lesen. Klingt banal, ist aber so!

Gerade im Netz scannen Leser einen Artikel und möchten so schnell wie möglich Antworten auf ihre Fragen finden.

Das solltest du bei deinen Texten beachten:

  • Mach genug Absätze – orientiere dich dabei zum Beispiel an diesem Blogpost!
  • Füge regelmäßig Zwischenüberschriften ein und lasse sie optisch hervor stechen (größere Schrift)
  • Arbeite immer wieder mit Bullet Points (wie ich gerade)
  • Fette Wichtiges (siehe zum Beispiel meine „Praxis-Tipps“)


Tipp 10: Schreib für deine Zielgruppe

Komplex, einfach, flapsig oder formell? Überlege dir, an wen sich dein Text richtet, bevor du anfängst zu schreiben.

Stell dir zum Beispiel diese Fragen:

  • Wer ist meine Zielgruppe?
  • Was wissen sie bereits, welche Begriffe kennen sie garantiert?
  • Womit würde ich sie eher langweilen, womit gut unterhalten oder informieren?
  • Wie viel Zeit bringen sie mit?
  • Und wie möchten sie am liebsten angesprochen werden?

Achtung! Manchmal höre ich den Satz „Also, MEINE Zielgruppe weiß das…“ – und dann werden Fachbegriffe ohne Ende verwendet. Mach dir bitte klar, dass du dich möglicherweise auch an Menschen richten möchtest, die noch ganz am Anfang stehen, sich mit deinem Thema zu beschäftigen.

  • Auch für den Inhalt hilft es, dir Fragen zu stellen:
  • Richte ich mich eher an Männer oder Frauen?
  • Wie alt sind sie?
  • In welchem Job arbeitet mein Publikum und in welcher Position?
  • Welche Kanäle benutzt meine Zielgruppe am liebsten?
  • Welche Ziele und Wünsche hat sie?
  • Welche konkreten Fragen hat sie über mein Themengebiet?

Je besser du all dies weißt, desto besser kannst du Beispiele im Text auf die Lebenswelt dieser Menschen zuschneiden, du kannst ihr Vokabular benutzen und ihre Hoffnungen, Ziele und Wünsche anklingen lassen (in genau den Worten, die sie auch benutzen würden).

Das Ergebnis: Diese Menschen werden deinen Text als besonders authentisch wahrnehmen.


Tipp 11: Verwende mehr Alltagswörter  

In einem geschriebenen Text verwendest du automatisch andere Wörter als beim Sprechen. Aber warum eigentlich?

Unter Profis gilt die einfache Regel: Wer verstanden werden will, sollte schreiben, wie man spricht.

Denn geschriebene Sprache klingt oft steif und umständlich. Versuche deshalb, gezielt Wörter einzusetzen, die du auch im Alltag benutzt. Das macht deine Texte nicht nur verständlicher, sondern auch sympathischer!

Das klingt steif und schriftsprachlich: Die Wohnung verfügt über einen Balkon.

So klingt es nach echter Sprache: Die Wohnung hat einen Balkon

Das klingt steif und schriftsprachlich: Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass sich in unserem Garten die unterschiedlichsten Pflanzen und Blumen wiederfinden.

So klingt es nach echter Sprache: Uns war es wichtig, dass in unserem Garten die unterschiedlichsten Pflanzen und Blumen wachsen.

Das klingt steif und schriftsprachlich: Die Bearbeitung der Bewerbung erfolgt innerhalb einer Woche.

So klingt es nach echter Sprache: Wir werden uns die Bewerbung innerhalb einer Woche ansehen.


Tipp 12: Nutze alle Satzzeichen

Wie oft stellst du in deinen Texten eigentlich eine Frage? Wie oft rufst du etwas aus? Arbeitest du mit Doppelpunkten und Gedankenstrichen?

Jeder Text wird lebendiger, wenn du die Vielfalt der Satzzeichen nutzt.

Schau dir einfach diesen Blogpost noch einmal an:

  • Wann arbeite ich mit Fragen?
  • Wann mit Ausrufezeichen?
  • Wann setze ich Gedankenstriche – und was würde passieren, wenn du ihn wegnimmst?
  • Was macht ein Doppelpunkt mit einem Satz?

Vielleicht bemerkst du nach einer Weile, dass unterschiedliche Satzzeichen auflockern und strukturieren. Sie ermöglichen eine gedachte Pause (Gedankenstrich) oder geben einem Folge-Satz mehr Gewicht (Doppelpunkt).

Und frag dich dann: Kann ich in meinem fertigen Text noch ein paar Satzzeichen einfügen, die bislang zu kurz kommen? Kann ich dadurch möglicherweise lange Sätze „auseinander reißen“ – und mehrere kurze daraus entstehen lassen? Was lässt sich als Ausruf formulieren („Das kriegen wir hin!“) und was als Frage („Wie lange versuchst du schon,…?“)?

Achtung: Insbesondere mit den Ausrufezeichen darfst du es nicht übertreiben! Sonst bist du schnell in einem BILD-Zeitungs-Stil, in dem alles nach Skandal klingt.


Tipp 13: Lies deinen Text laut vor

Bist du durch mit deinem Text, lies ihn laut. Dabei ist es egal, ob du ihn jemandem vorliest oder es nur für dich machst.

Der Effekt ist der gleiche: Du wirst hören, wo dir die Luft ausgeht (zu langer Satz!), sich ein Wort komisch anhört („Würde ich das wirklich so sagen?“) oder wo es sonst noch hakt („Klingt irgendwie steif…“).

Markiere dir die Stellen, die dir noch nicht „rund“ vorkommen – und schau, ob du an diesen Stellen einen meiner Tipps anwenden kannst.

Zum Beispiel:

  • So formulieren, wie du es auch im Gespräch mit Freunden sagen würdest
  • Aus einem langen Satz mehrere kurze machen
  • Substantive streichen und Formulierungen mit Verben finden
  • Abgegriffene Floskeln und Modewörter ersetzen

Nutze dabei diese praktische Liste, um Wörter zu finden, die jeden Text dröge machen:

9 Gedanken zu „13 Profi-Tipps für richtig gute Texte“

  1. Super Hinweise, liebe Marike! Da profitiere ich sehr von! :-))
    Ein ganz großes Dankeschön, dass du so wertvolles Wissen hier teilst!
    Liebe Grüße
    Dorothea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

nv-author-image

Marike Frick

Marike Frick ist ausgebildete Journalistin und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Pressearbeit selber machen können. Ihre Texte sind u. a. in DIE ZEIT, Brigitte Woman, Financial Times Deutschland, Spiegel Online und Business Punk erschienen. Sie lebt mit ihrer Familie derzeit in Genf, glaubt an die tägliche Ration Kaffee (Barista-Style) und liebt gut gemachte TV-Serien in Kombination mit dunkler Schokolade und Rotwein.