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9 Ideen, die dein Buch in die Presse bringen

  • 11 min read

Dein Sachbuch ist fertig, und nun sollen Journalisten darüber berichten? Könnte schwierig werden – es sei denn, du hältst dich an diese 9 essentiellen Tipps!

Du hast ein Buch geschrieben?

Fantastisch.

Das Problem ist nur: Wenn du nicht gerade ein Starautor bist, dann musst du dich um die Pressearbeit für dein Buch fast immer selbst kümmern. Die meisten Verlage schicken für kleine Bücher nämlich gerade mal eine Pressemitteilung raus – und das war’s.

Meine Empfehlung: Nimm die Pressearbeit selbst in die Hand, und bring Journalisten dazu, mehr über dich und dein Buch wissen zu wollen.

Wenn du das schaffst, dann könntest du mit deinem Buch zum Beispiel:

  • als Porträtierter in einer (überregionalen) Tageszeitung auftauchen
  • in den Buchempfehlungen eines bekannten Magazins besprochen werden
  • eine ausführliche Rezension in der Fachpresse bekommen
  • in einen relevanten Podcast oder ins Radio eingeladen werden
  • als Expertin im Fernsehen auftreten

Dadurch wirst du nicht nur auf einen Schlag bekannter, sondern bekommst gratis mehr Reichweite für dein Buch.

Was du dafür tun musst?

Eines bitte auf keinen Fall: Schreibe niemals eine große Rundmail an hunderte Redaktionen. Schon gar nicht mit der Nachricht: „Ich habe ein Buch veröffentlicht“. Denn das interessiert wirklich keinen Journalisten – und deine E-Mail wird in aller Regel ungelesen im Papierkorb verschwinden.

Du willst das noch genauer wissen? In diesem Video erkläre ich dir ausführlicher, warum Pressemitteilungen wenig bringen:

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Was du stattdessen tun solltest: Du solltest Journalisten mit konkreten Themenideen und Gesprächsangeboten rund um dein Buch auf dich aufmerksam machen. Und zwar nicht irgendwelche Journalisten – sondern genau die, die für deine potenziellen Leser schreiben.

Denn wahrscheinlich interessieren sich nicht alle Menschen gleichermaßen für dein Buch. Überlege deshalb nochmal ganz genau: Für wen ist dein Buch gedacht – und wo findest du diese Leserschaft?

Frage dich:

  • Wer sind meine (Wunsch-)Leser?
  • Welche Publikationen lesen sie gerne (das gleiche wie ich)?
  • Welche Podcasts hören sie (die gleichen wie ich)?
  • Was sehen sie sich gerne im Fernsehen an?
  • Welchen Social Media Kanälen folgen sie?

Wenn du diese Fragen für dich beantwortet hast, dann hast du im besten Fall schon eine erste Liste vor dir liegen – mit Medien (Print, Online-Magazine, Radio, Podcasts, TV, Blogger), die für dich interessant sind.

Nun brauchst du ein gutes Themenangebot, das du diesen Medien zusenden kannst – und das mit deinem Buch zu tun hat.

Dafür gibt es mehrere Wege.

Achtung: Sie schließen sich nicht aus, du kannst also ruhig mehrere davon ausprobieren!

Hier kommen deine 10 Top-Chancen, um mit deinem Buch in die Presse zu kommen.

Idee #1
Finde einen Fokus

NATÜRLICH steckt dein Buch voller guter Ideen und wichtiger Impulse. Trotzdem empfehle ich dir, nicht das ganze Buch vorzustellen, sondern bei jeder Kontaktaufnahme nur EINEN Aspekt oder ein besonderes Kapitel herauszupicken.

Wenn du zum Beispiel einen Ratgeber für Eltern geschrieben hast, dann gibt es darin vielleicht ein Kapitel über Schlafprobleme bei Kindern, für die du eine tolle Lösung gefunden hast. Und genau diesen Einzelaspekt bietest du Journalisten als Thema an.

Du sagst also nicht: „Ich habe tolle Tipps für Eltern!“ – sondern: „Ich habe tolle Tipps, wie Kleinkinder endlich besser einschlafen!“

Du kannst dich außerdem fragen: Gibt es in diesem Kapitel eine (überraschende) Kernaussage?

Wenn dir noch nicht ganz klar ist, was deine Kernaussage sein könnte, dann probiere es mal mit einer Technik, die sich „Küchenzuruf“ nennt. Damit arbeiten auch viele Journalisten.

Gemeint ist folgende Situation: Erika sitzt auf dem Sofa und liest die Zeitung oder schaut Fernsehen, Rolf steht in der Küche und kocht das Mittagessen. Erika liest oder sieht etwas, das sie fasziniert, überrascht oder schockiert.

Der Küchenzuruf ist DER EINE Satz, mit dem sie den Bericht zusammenfasst und den sie Rolf quer durch die Küche zuruft:

  • „Rolf, wusstest du schon, dass…?“
  • „Das ist ja verrückt, Rolf, hier steht…“
  • „Ich habe gerade gelesen/gehört, dass…“

Der Küchenzuruf hilft dir, die Kernbotschaft des Kapitels auf den Punkt zu bringen. Auf eine solche Kernbotschaft (das Besondere/Neue/Ungewöhnliche/Überraschende) werden Journalisten am ehesten anspringen.

Idee #2
Finde einen Aufhänger

Journalisten greifen gern aktuelle Geschehnisse auf. Das nennen sie „Aufhänger“.

Relevante Aufhänger können sein:

  • eine aktuelle Nachricht – zum Beispiel: „Wieder Bahnstreiks – Horror-Staus auf Autobahnen befürchtet“ oder „Britney Spears aus Vormundschaft entlassen“
  • eine laufende gesellschaftliche Debatte – zum Beispiel „Wie gerecht ist HartzIV?“ oder „Brauchen wir eine Frauenquote?“
  • ein aktuelles Lebensgefühl – zum Beispiel: „Abschied vom Homeoffice“ oder „Corona-Müdigkeit“ oder „Ferienzeit“
  • einen (kuriosen, kirchlichen, staatlichen) Feiertag – zum Beispiel: „Tag des Verzeihens“ oder „Allerheiligen“ oder „Tag der Arbeit“

Wenn du als Coach zum Beispiel ein Buch über Gelassenheit im Alltag geschrieben hast, dann sind die aktuellen Horror-Staus (Nachricht) oder die „Corona-Müdigkeit“ (Lebensgefühl) vielleicht ein guter Aufhänger für dein Thema. Denn du könntest Menschen Tipps geben, wie sie gelassener durch solche Situationen kommen.

Oder du bist Führungskräftecoach und hast ein Buch über „New Work“ geschrieben und darüber, was Manager nach Corona anders machen sollten. Dann könnte die aktuelle Debatte über „Homeoffice ja oder nein?“ ein guter Aufhänger sein, um das Wissen aus deinem Buch weiter zu geben.

Aufhänger machen es Journalisten leichter, über dein Buch zu berichten.

So findest du passende Aufhänger:

  • Verfolge die aktuellen Nachrichten (bevorzugt in den Medien, in denen du deine Leserschaft vermutest)
  • Schau in Magazine, Zeitungen und passende Blogs: Womit beschäftigen sich die Journalisten/Blogger gerade vermehrt? Welche Themen begegnen dir dort?
  • Wenn du Online-Magazine liest, dann schau auch mal bei den Kommentaren unter dem Text. Auch da bekommst du neue Ideen.
  • Im Internet findest du Veranstaltungs- und Jubiläumskalender, suche hier nach passenden Anlässen.
  • Recherchiere im Netz nach Übersichten mit ungewöhnlichen Feiertagen wie „Tag des Verzeihens“ oder „Tag der Schokolade“ oder probiere unseren Content- und PR Kalender mit 579 Terminen aus.
  • Bei wiederkehrenden Festtagen, zum Beispiel Weihnachten, frage dich: Welches Gefühl herrscht in dieser Zeit? Welche Konflikte gibt es? Welche Erwartungen? Und dann: Was hat mein Buch damit zu tun?

Idee #3
Erzähl die Geschichte hinter deinem Buch

Nehmen wir an, du hast ein Buch übers Trauern geschrieben oder einen Ratgeber für hypersensible Kinder oder eins darüber, was Fische wissen (gibt es wirklich!): Dann steckt dahinter oft eine sehr persönliche, aus Journalisten-Sicht spannende, emotionale Geschichte. Mindestens aber ein persönlicher Zugang zu dem Thema.

Das kannst du zum Thema machen, wenn du Journalisten kontaktierst.

Diese Fragen helfen dir, deine Geschichte zu finden:

  • Was ist der Grund dafür, dass du dieses Buch geschrieben hast?
  • Was hast du selbst erlebt?
  • Was hat dich inspiriert?
  • Was hat dein Buch in deinem Leben verändert?
  • Kannst du dich noch an den Moment erinnern, in dem du die Idee dazu hattest?
  • Wie war es, dieses Buch zu schreiben: Rastlose Recherche, intensive Auseinandersetzung mit dir selbst oder hast du Ängste erlebt und Heldentaten vollbracht?
  • Was sind die Lektionen fürs Leben, die du beim Buchschreiben gelernt hast?

Ich habe beobachtet, dass Autoren es oft vermeiden, eigene Geschichten zu erzählen. Sie möchten besonders klug rüberkommen – und deswegen lieber nicht über sich sprechen oder darüber, wie das Buch entstanden ist.

Tatsache ist aber: Journalisten lieben solche Heldenreisen. Oft sind es genau diese Geschichten, auf die sie als erstes anspringen – noch bevor sie überhaupt eine Zeile deines Buches gelesen haben.

Wie du eine gute Story über dich erzählst, lernst du auch in diesem Video:

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Idee #4 Erfinde ein neues Schlagwort

Hast du in deinem Buch einen neuen Begriff geprägt? Gemeint ist sowas wie „Digital Detox“ oder „Generation Z“.

Klar, die gibt es natürlich beide schon.

Aber vielleicht schreibst du über ein Thema oder einen Aspekt, für den du einen ganz neuen Begriff erfunden hast?

Dann rücke den ins Scheinwerferlicht! Sowas mögen Journalisten gerne (und sie sind natürlich gerne die ersten, die solche Schlagwörter verwenden).

Diese Autoren haben das zum Beispiel geschafft:

Patricia Camerata – „Mental Load“

Florian Illies – „Generation Golf“

Cal Newport – „Deep Work“ (für konzentriertes Arbeiten)

Giulia Enders – „Darm mit Charme“

Henri Nannen – „Küchenzuruf“

Idee #5
Biete dich als Interviewpartner mit einer starken Haltung an

Am einfachsten ist das, wenn dein Buchtitel schon eine klare Meinung verspricht – oder eine provokante These vertritt. Also zum Beispiel:

  • „Zu viel und nie genug. Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf“ (Mary L. Trump)
  • „Älter werden ist sexy – man stöhnt mehr“ (Sabine Bode)
  • „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ (Alice Hasters)

Vielleicht bietet sich auch dein Buch für eine steile These an?

Um so eine These zu formulieren, kannst du als Technik wieder den Küchenzuruf ausprobieren.

Idee #6
Gib konkrete, schnell umsetzbare Tipps

Wenn du diesen Rat umsetzt, dann werden Journalisten im besten Fall sofort erkennen, wie nützlich dein Buch ist (und dich als Experten lieben!).

Wenn du zum Beispiel ein Buch über veganen Lifestyle geschrieben hast, dann könnte dein Angebot an Journalisten so lauten: „3 Tipps, wie ich meine Familie davon überzeuge, ab sofort vegan zu leben“.

Oder du hast einen Reiseführer über nachhaltiges Reisen geschrieben und lieferst den Journalisten jetzt: „5 nachhaltige Reiseziele, die noch echte Geheimtipps sind“.

Überleg mal, ob du aus einem deiner Kapitel drei (oder fünf oder sieben) schnelle Tipps generieren kannst, die sofort umsetzbar – oder zumindest inspirierend sind.

Idee #7
Dreh deine Kernthese oder deinen Kern-Ratschlag um

Zugegeben, das ist schon was für Fortgeschrittene. Aber nehmen wir mal das aktuelle Buch von Bill Gates. Es heißt „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“.

Das ist per se schon ein gutes Thema, und wenn du dann auch noch Tipp 6 beherzigst, dann hast du ganz schnell das Interesse von Journalisten geweckt.

Du könntest aber auch dein Kernthema umdrehen – und daraus ein Themen-Angebot machen. Es könnte dann so lauten: „Klimawandel: Wie wir den Planeten noch schneller zerstören (und was jeder dagegen tun kann)“.

Oder nimm das Buch von Renate Künast. Es heißt „Hass ist keine Meinung“ und dreht sich um Hatespeech im Internet. Umgedreht wird daraus zum Beispiel sowas: „Anleitung zum Trollsein: Wie man im Internet richtig schlecht rüberkommt (und welche Folgen das hat)“.

Das ist provokant und macht neugierig. Probiere mal aus, ob das mit deiner Kernthese auch klappt! Vielleicht eignet sich das für ein Gesprächs-Angebot an Journalisten.

Idee #8
Stelle einen Buch-Auszug zur Verfügung

In manchen Online-Magazinen und Frauenzeitschriften (oft auch in den Beilagen) werden in sich geschlossene Kapitel (oder Teile eines Kapitels) eins zu eins publiziert. Dazu kommt dann meist ein Autorenkasten – mit Foto – und der Hinweis auf dein Buch. Perfekt!

Halte also regelmäßig Ausschau nach solchen Beiträgen. Manchmal erkennt man sie erst am Ende eines Textes, wo dann steht: „Dieser Beitrag ist ein Auszug aus…“ – ansonsten liest es sich wie ein von der Redaktion verfasster Artikel.

Noch ein kleiner Praxis-Tipp: Printmagazine leben von Bildern, viel mehr als von Texten. Stelle also sicher, dass du genügend Bildmaterial zur Verfügung stellst. Du hast eine Grafik oder ein Schaubild erarbeitet? Super, her damit! Tolle Fotos? Um so besser – die Journalisten werden es dir danken.

Wichtig für die Bildauswahl:

Foto ist besser als Grafik

Bunt ist besser als schwarz-weiß

Leute sind besser als Landschaft

Besonders ist besser als nur schön

Idee #9
Veranstalte eine Lesung an einem besonderen Ort

Bietet es sich vom Thema her an, eine Lesung an einem besonderen Ort zu veranstalten? Dann mach das – und lade Lokalredakteure dazu ein!

Auch ein ungewöhnliches Begleitprogramm oder spannende Gäste, die vor Ort interviewt werden können, sind eine Möglichkeit.

Bietest du den Journalisten ein schönes Fotomotiv (da schlägt die ungewöhnliche Location den Ladenraum der örtlichen Buchhandlung), so sind sie eher geneigt, persönlich zu kommen.

Vergiss aber nicht, das schon in deiner Einladung zu betonen!

Bonus #1
Schreibe einen „Waschzettel“ zu deinem Buch

Ein so genannter Waschzettel ist eine PDF-Seite, auf der Journalisten auf einen Blick alle wichtigen Infos zum Buch bekommen. Wirklich nur eine Seite!

Das muss alles drauf:

  • Autor
  • Titel und Untertitel
  • ca. 10 Zeilen Zusammenfassung
  • Verlag
  • Buchcover und Infos wie Seitenzahlen, ISBN, Preis
  • Autorenkasten mit Fotos und ein paar biografischen Informationen

Diesen Waschzettel hängst du an dein Themenangebot dran oder verlinkst in deiner ersten E-Mail darauf.

Bonus #2
Verschicke niemals ungefragt Druckfahnen oder ganze Bücher an die Redaktion.

Zitat einer Kollegin: „Was haben sich bei uns in der Redaktion schon die Bücher gestapelt, da war kein Durchkommen mehr – und gelesen hat die auch keiner.“

Biete dein Thema an, häng den Waschzettel dran – und schreibe dazu, dass du bei Interesse gerne das Buch als PDF schickst. Das mögen Journalisten nämlich auch gerne, denn wenn sie dann aus deinem Buch zitieren möchten, können sie die Sätze einfach rauskopieren…)

Willst du dein Buch in die Presse bringen?

Dann werde ein “Presse Rockstar” und lass dich von professionellen Journalistinnen dabei begleiten!

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Marike Frick

Marike Frick ist ausgebildete Journalistin und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Pressearbeit selber machen können. Ihre Texte sind u. a. in DIE ZEIT, Brigitte Woman, Financial Times Deutschland, Spiegel Online und Business Punk erschienen. Sie lebt mit ihrer Familie derzeit in Genf, glaubt an die tägliche Ration Kaffee (Barista-Style) und liebt gut gemachte TV-Serien in Kombination mit dunkler Schokolade und Rotwein.