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Pressearbeit fĂŒr Vereine: Diese Methode bringt euch in die Zeitung

  • 7 min read

Wer Pressearbeit fĂŒr Vereine machen will, muss sich anstrengen – schließlich gibt es in Deutschland ĂŒber 600.000Âč Konkurrenten! Um in der Vielzahl der Vereine aufzufallen, braucht es allerdings mehr als eine dröge Pressemitteilung. Was das ist, erklĂ€re ich hier.

Sicher kennst du das Sprichwort “Tue Gutes und rede darĂŒber.”

Wenn du in einem Verein aktiv bist, gilt fĂŒr Teil 1 dieses Satzes schon mal: check!

Aber jetzt möchtest du gerne, dass mehr Leute von eurer tollen Truppe erfahren? Zum Beispiel, um 

  • neue Mitglieder zu gewinnen
  • Spenden einzutreiben
  • Ehrenamtler an Bord zu holen
  • ein Event publik zu machen?

Da wĂ€ren wir bei Teil zwei. Und dafĂŒr ist ein Beitrag von deinem Verein in der Presse – egal ob in der Lokalzeitung, in einem Online-Magazin, im Radio oder im TV – das ideale Megaphon. 

Denn: Pressearbeit fĂŒr Vereine

  • kostet nichts (außer ein bisschen Zeit)
  • wirkt seriös und stĂ€rkt das Image
  • ist ein super Multiplikator: Mit einem Artikel erreichst du auf einen Schlag  ganz viele Interessenten

Hier verrate ich dir, wie du Pressearbeit fĂŒr Vereine angehen kannst.

Warum ist Pressearbeit fĂŒr Vereine besser als Werbung?

Nochmal kurz die Basics.

Eine Werbeanzeige in der Lokalzeitung kann funktionieren – wenn deine Zielgruppe ĂŒber 60 ist. Oder eher ĂŒber 70.

Denn, ganz ehrlich: Wer liest heute noch Zeitungsannoncen, außer Ă€ltere Menschen mit viel Zeit?

Außerdem verschlingen Anzeigen ziemlich schnell ziemlich viel Geld (und welcher Verein hat das schon, außer dem FC Bayern MĂŒnchen?).

Aber es gibt noch ein weiteres Problem mit bezahlten Anzeigen.

Wenn aktive Mitglieder oder UnterstĂŒtzer eine Zeitungsanzeige sehen, könnten sie nĂ€mlich denken: Ach, da geht also das Geld hin, das ich monatlich an den Verein ĂŒberweise?

Wenn dagegen ein Journalist einen Artikel ĂŒber deinen Verein schreibt (oder dich z.B. fĂŒr einen Radiobeitrag interviewt), kann das gleich doppelt positiv rĂŒberkommen:

  • Dein Verein sticht aus der Masse heraus (“In unserer Stadt gibt’s fĂŒnf Fußballvereine – aber nur einer steht regelmĂ€ĂŸig mit tollen Aktionen in der Zeitung!”)
  • Dein Verein kommt seriös rĂŒber (“Auf ihren eigenen Flyern können die ja viel behaupten – aber hier hat ein neutraler Journalist recherchiert”)

Was interessiert Journalisten?

Eines gleich vorweg: Es sind nicht Pressemitteilungen (Ausnahmen bestÀtigen die Regel).

Denn: Journalisten werden tĂ€glich zugeschĂŒttet mit langen Pressetexten. Da ist es schon verdammt schwer, aus der Masse herauszustechen. Zumal die Inhalte auf Journalisten meist gĂ€hnend langweilig wirken.

Eine neue Vorsitzende oder das jĂ€hrliche Sommerfest sind nicht wirklich spannende AufhĂ€nger fĂŒr einen journalistischen Bericht.

Außerdem mögen Journalisten es gar nicht, wenn sie das GefĂŒhl haben: Da will jemand, dass ich gratis fĂŒr ihn Werbung mache. Das gilt auch fĂŒr Vereine – selbst wenn es bei euch nicht ums Geldverdienen geht! 

 Aber was funktioniert dann?

Nun, da hĂ€tte ich ein paar Pro-Tipps fĂŒr dich.

Was lĂ€uft, sind nĂ€mlich Geschichten ĂŒber Menschen – und ĂŒber Tiere. Also Storys, die eure Projekte erzĂ€hlen und greifbar machen.

Die dĂŒrfen gerne emotional sein. Beispiele gefĂ€llig? Bittesehr: 

đŸ¶ Im Tierschutzverein: eine Geschichte ĂŒber den Golden Retriever, den ihr in besonders schlechtem Zustand ĂŒbernommen habt und der heute als Therapiehund eingesetzt wird

âšœ Im Fußballverein: ein Kind mit Fluchthintergrund, das in der Jugendmannschaft RĂŒckhalt bekommen, sein Deutsch verbessert und Selbstbewusstsein gewonnen hat

📚 Im Literaturverein: ein besonderes Projekt, bei dem Literatur von vergessenen weiblichen Autorinnen gelesen wird

🎓 Im Schulverein: eine Gruppe von Ehrenamtlichen, die zweimal wöchentlich gesunde Snacks fĂŒr GrundschĂŒler zubereitet und Lebensmittelspenden sucht

Denn Journalisten wollen Fakten und Entwicklungen am liebsten ĂŒber Menschen erzĂ€hlen. Geh deshalb auf die Suche nach Einzel-Schicksalen oder persönlichen Geschichten in deinem Verein – sie funktionieren am allerbesten!

Die Beispiele zeigen auch: Oft bieten sich aktuelle Entwicklungen als AufhĂ€nger an. Was bedeuten neue Gesetze oder grĂ¶ĂŸere Entwicklungen fĂŒr die Menschen, mit denen ihr im Verein tĂ€glich zu tun habt?

Etwa wenn


đŸ„– du als Mitarbeiterin der lokalen “Tafel” darĂŒber berichten kannst, warum die steigende Inflation zu einem enormen Run auf Hilfsangebote fĂŒhrt

đŸ¶ du als Vorsitzende des örtlichen Tierschutzvereins die Erfahrung gemacht hast, dass nach Abflauen der Pandemie mehr Haustiere (die in der Pandemie vermutlich als Spielzeug angeschafft wurden) einfach ausgesetzt werden

đŸŽș im Jugendorchester eures Musikvereins Kinder aus jĂŒdischen und palĂ€stinensischen Familien gemeinsam StĂŒcke einstudieren.

Wenn du mehr darĂŒber wissen möchtest, was eine gute “Story” ausmacht, schau dir gern mein Video dazu an:

Keine Stories zu bieten? Nutze Expertenwissen!

Wenn dir gerade keine aktuelle Geschichte aus deinem Verein einfĂ€llt, kannst du dich der Presse auch als Experte fĂŒr ein Interview anbieten. 

Denn sicherlich kennst du dich durch die Vereinsarbeit in einem Thema extrem gut aus: ob nun bei der Feuerwehr, im Judo oder in der interkulturellen Elternarbeit. Das kann ein guter AufhĂ€nger fĂŒr Pressearbeit fĂŒr Vereine sein!

Genau dieses Wissen könnte fĂŒr Journalisten spannend sein!

Hier wieder ein paar Beispiele:

🚒 Als Kommandant bei der Freiwilligen Feuerwehr bist du ein super GesprĂ€chspartner fĂŒr Brandschutz im eigenen Zuhause (nicht nur zur Weihnachtszeit!)

đŸ„‹ Als Judotrainerin kann du ganz viel erzĂ€hlen ĂŒber die besten Selbstverteidigungs-Moves fĂŒr Frauen

đŸ‘šâ€đŸ‘©â€đŸ‘Š Als engagierter Vater in einer mehrsprachigen Elterninitiative weißt du, wie Familien aus verschiedenen Kulturen voneinander profitieren, und wo Konfliktpunkte sind

Und natĂŒrlich kannst du auch wieder ĂŒberlegen: Was passiert gerade „da draußen“? Habt ihr dazu was zu sagen? Könnten jemand aus eurem Verein aktuelle Geschehnisse auf die lokale Ebene „runterbrechen“?

Etwa, indem sie

  • aufzeigen, was Gesetz XY fĂŒr euren Verein fĂŒr Folgen hat
  • erklĂ€ren, was eine aktuelle Entwicklung fĂŒr die Menschen bedeutet, mit denen ihr tĂ€glich zu tun habt
  • einschĂ€tzen, was ein aktuelles Geschehnis fĂŒr Auswirkungen auf euer Themengebiet haben wird

Wie gehe ich Pressearbeit fĂŒr Vereine praktisch an?

Deine ersten Schritte auf deinem Weg zur Pressearbeit fĂŒr Vereine können sein: 

  • Du baust einen Pressebereich auf eurer Webseite auf
  • Du fragst in der Lokalredaktion nach, welchen Journalisten du zu Themen rund um [dein Themengebiet] kontaktieren darfst (ein kurzer Anruf genĂŒgt!)
  • Du sprichst Mitglieder an, die interessante Storys zu erzĂ€hlen haben und fragst, ob sie sich dazu interviewen lassen wĂŒrden
  • Du ĂŒberlegst, welche AnlĂ€sse und Events interessant sind (und warum)
  • Du kontaktierst Journalisten und bietest Interviews mit dir oder anderen aus deinem Verein an

Noch ein paar Tipps zur Kontakt-Aufnahme

  • Schreib das Wichtigste schon in die Betreffzeile – zum Beispiel „Mehr Andrang bei der Reutlinger Tafel als im Vorjahr“ oder „Selbstverteidigung: Wir stĂ€rken junge Frauen“
  • Verzichte auf das Wort „Pressemitteilung“, denn es nimmt viel Platz in der Betreffzeile weg
  • Schreib sehr verstĂ€ndlich – als wĂŒrdest du einem Bekannten eine Mail schicken. Viele verfallen in viel zu komplizierte Sprache, wenn sie sich an Journalisten wenden!
  • Komm in der E-Mail sofort zum Punkt und sag, dass du dem Journalisten gern ein Interview-Angebot machen wĂŒrdest – und zwar zum Thema [dein Thema in einem Satz]
  • ErklĂ€re in ein paar Bullet Points weitere Details
  • Verlinke dann, wenn möglich, auf die Webseite eures Vereins, damit der Journalist sich weiter informieren kann
  • Falls du nichts vom Journalisten hörst, hake ein, zwei Wochen spĂ€ter noch mal nach
  • Zögere nicht, immer wieder neue Interview-Themen anzubieten! Du nervst damit nicht, denn an guten Geschichten und Expertenwissen sind Journalisten immer interessiert.
  • Vermeide ansonsten bei der Kontaktaufnahme diese typischen Fehler

Du möchtest Schritt fĂŒr Schritt wissen, wie meine Methode funktioniert – inklusive Anleitung fĂŒr gute Betreffzeilen und knackige E-Mails? Dann ist mein Training „Presesarbeit fĂŒr andere“ genau richtig fĂŒr dich!

Online-Training „Pressearbeit fĂŒr andere“

Im zweiteiligen Online-Training lernst du:

  • Wie du Journalisten professionell Interviews anbietest
  • Wie du auf richtig gute Themen kommst (viele Beispiele!)
  • Was in deiner allerersten E-Mail stehen sollte
  • Wie du deine Betreffzeile maximal interessant formulierst
  • Wie du die Kontaktdaten von Redakteuren und Redakteurinnen herausfindest

Quelle: Âč ZiviZ Vereine in Deutschland 2022

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Marike Frick

Marike Frick

Marike Frick ist ausgebildete Journalistin und zeigt Unternehmern und EinzelkÀmpfern, wie sie ihre Pressearbeit selber machen können. Ihre Texte sind u. a. in DIE ZEIT, Brigitte Woman, Financial Times Deutschland, Spiegel Online und Business Punk erschienen. Sie lebt mit ihrer Familie derzeit in Genf, glaubt an die tÀgliche Ration Kaffee (Barista-Style) und liebt gut gemachte TV-Serien in Kombination mit dunkler Schokolade und Rotwein.